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Praktikanten einstellen: Was du als Arbeitgeber wissen musst - Campusjäger

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Praktikanten einstellen: Was du als Arbeitgeber wissen musst

Diese Rechte und Pflichten hast du gegenüber Praktikanten

Für Studenten und Absolventen stellen Praktika eine gute Möglichkeit dar, Berufserfahrung zu sammeln und damit den späteren Berufseinstieg zu erleichtern.

Aber auch als Arbeitgeber profitierst du von Praktikanten auf vielfältige Weise, beispielsweise indem du früh Nachwuchstalente für das Unternehmen finden kannst. Ein Praktikum ist aber an einige gesetzliche Regelungen gebunden. 

Welche weiteren Vorteile Praktikanten mit sich bringen und welche Rechte und Pflichten du als Arbeitgeber hast, erfährst du in unserem Artikel. 

Inhalt

Warum solltest du Praktikanten beschäftigen?

Oft hört man von Unternehmen, dass sich Praktikanten nicht lohnen würden: Der Output rechtfertigt nicht den Aufwand, so lautet das gängige Argument. Aber es lohnt sich, über den eigenen Schatten zu springen – denn auch du profitierst von Praktikanten, auch wenn sie nur ein paar Monate im Unternehmen sind:

  • Du lernst neue Perspektiven kennen und eingefahrene Prozesse zu hinterfragen
  • Du bekommst ehrliches Feedback in Bezug auf deine Attraktivität als Arbeitgeber
  • Praktikanten sind flexibel einsetzbar und können je nach Interesse vielfältige Projekte begleiten
  • überzeugst das Unternehmen im Praktikum, ist das in der Regel ein Garant dafür, dass das Unternehmen bei Freunden und Familie weiterempfohlen wird

Es lohnt sich also ein Praktikum anzubieten – für dich als Arbeitgeber sowie für den Praktikanten. Das Wichtigste: Du kannst auch aktiv nach zukünftigen Mitarbeitern Ausschau halten und dir einen Talentpool an zukünftigen Arbeitnehmern aufbauen. Mitarbeitergewinnung und Nachwuchsbindung sind Hauptaufgabe von Recruitern und essenziell für ein erfolgreiches Unternehmen. Das geben auch 94 Prozent der Unternehmen auf die Frage an, weshalb sie Praktika anbieten.

Knapp 85 Prozent aller Praktikanten sind auch nach dem Praktikum beruflich oder privat mit ihrem Unternehmen in Kontakt. Und 84 Prozent würden sich wieder bei ihrem Arbeitgeber bewerben, wenn es um den Berufseinstieg geht. Jung und motiviert: 92 Prozent der Praktikanten wollen im Praktika etwas lernen und Berufserfahrung sammeln. (Die Zahlen stammen aus dem Praktikantenpiegel 2018, bei dem über 5.000 Praktikanten nach ihren Erfahrungen gefragt wurden.)

Ganz ähnliche Vorzüge genießt du auch, wenn du Studenten langfristig beschäftigst, beispielsweise als Werkstudenten. Das würde aber den Rahmen sprengen, daher haben wir die Besonderheiten bei Werkstudenten in separaten Beitragen für dich zusammengefasst: Sowohl wie du Werkstudenten für Ihr Unternehmen findest als auch wie ein Werkstudentenvertrag aussehen sollte. 

Wer darf Praktikanten einstellen?

Wenn du ein Praktikum anbieten willst, musst du als Arbeitgeber dafür keine besonderen Voraussetzungen erfüllen. Denn anders als für Ausbildungen gibt es für Praktika keine gesetzlichen Regelungen, was die Qualifikationen und Ansprüche an einen Betrieb angeht. Um einen Ausbilderschein oder Ähnliches musst du dich also nicht kümmern. 

Das heißt, dass prinzipiell jeder Unternehmer – vom Freiberufler bis zum internationalen Konzern – problemlos Praktikanten einstellen kann. denn bei einem Praktikum geht es in erster Linie darum, dass Studenten und Schüler etwas lernen, Berufserfahrung sammeln und sich erstmalig orientieren. 

Freiwillige vs. Pflichtpraktika

Grundsätzlich lassen sich freiwillige Praktika und Pflichtpraktika voneinander unterscheiden.

Freiwillige Praktika fallen unter das Berufsbildungsgesetz (BBiG), während Pflichtpraktika Bestandteil der jeweiligen Prüfungsordnung sind. Dies ist wichtig, da je nach Art des Praktikums unterschiedliche Rechte und Pflichten für dich als Arbeitgeber entstehen. So unterscheiden sich beispielsweise Rahmenbedingungen wie Dauer, Gehalt und Urlaub.

Bei Pflichtpraktika steht der Ausbildungszweck im Vordergrund. Sie sind daher häufig fester Bestandteil der Ausbildung und durch Schule, Ausbildung oder auch Studium vorgegeben. So wird von Studenten gegebenenfalls erwartet, dass sie als Voraussetzung für ein Studium ein Praktikum oder während des Studiums ein Praxissemester im entsprechenden Bereich absolvieren. Die Praktika sind in der Regel mit Vorgaben bezüglich Dauer, Arbeitszeit und Aufgabenbereich verbunden.

Freiwillige Praktika sind – wie der Name sagt – freiwillig. Sie werden meistens während des Studiums absolviert, beispielsweise in den Semesterferien. Ist es durch die Studienordnung nicht vorgeschrieben oder werden in den Semesterferien Prüfungen geschrieben, legen einige Studenten auch Urlaubssemester ein, um ein längeres Praktikum machen zu können.

Auch nach dem Bachelorstudium werden gerne Praktika gemacht, um sich beruflich zu orientieren oder die Zeit zum Masterstudium zu überbrücken. Hier geht es ihnen vor allem darum, die theoretischen Kenntnisse aus dem Studium durch praktische Kompetenzen zu ergänzen.

Übrigens: Im Gegensatz zu Werkstudenten müssen Praktikanten nicht zwangsläufig an einer Hochschule eingeschrieben sein. Einige Studenten nutzen die Zeit zwischen dem Bachelor und Master, um ein Praktikum zu absolvieren und sich beruflich zu orientieren. Andere nutzen dazu die ersten paar Monate nach ihrem Abschluss. Allerdings ist das doch eher die Ausnahme, da Praktika oftmals nicht so gut vergütet sind, als dass sie eine Alternative zum Berufseinstieg darstellen.

Schülerpraktikum

Ein Schülerpraktikum gehört in der schulischen Ausbildung mittlerweile zum Pflichtprogramm. Ein wirtschaftlicher Mehrwert für das Unternehmen ergibt sich daraus selten, meist schauen sie Mitarbeitern nur über die Schulter und hospitieren. Das hilft Schülern, das Berufsleben kennenzulernen und sich in der Berufswelt zu orientieren.

Das heißt aber nicht, dass ein Schülerpraktikum keine Vorteile für dich hätte: Du machst das Unternehmen bei der jüngeren Generation bekannt, findest potenzielle Azubis und kannst dir das Feedback einer jungen Zielgruppe einholen. 

Was es bei Zeit und Dauer von Schülerpraktika zu beachten gibt, unterscheidet sich je nach Landesrecht und Schulordnung, denn Bildung ist bekanntlich Ländersache. Es sind allerdings auch freiwillige Praktika möglich, zum Beispiel in den Sommerferien.

Grundsätzlich gelten dann dieselben Unterschiede zwischen freiwilligem Praktikum und Pflichtpraktikum wie auch bei den Studenten. So erhalten auch Schüler einen Lohn für das Praktikum, sofern es sich um ein freiwilliges handelt (Mindestlohn aber nur, wenn der Praktikant über 18 Jahre alt ist oder eine Berufsausbildung hat). Das Schülerpraktikum kann an kontinuierlichen Praxistagen, innerhalb eines Blockpraktikums oder durch eine Kombination dieser beiden Modelle abgeleistet werden. 

Diese Arten von Schülerpraktika gibt es: 

  • berufsorientierendes Schülerpraktikum
  • freiwilliges Ferienpraktikum
  • Fachpraktikum
  • regelmäßige Praxistage

Praktikum für ausländische Studenten

Du möchtest ausländische Studenten als Praktikanten einstellen? Das musst du als Arbeitgeber beachten:

Grundsätzlich haben Staatsangehörige aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraumes uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit.

Das bedeutet, dass du bei europäischen Praktikanten dieselben Regelungen beachten musst wie bei deutschen. Dank der Europäischen Gemeinschaft besteht also kein erhöhter bürokratischer Aufwand. Auch bei ausländischen Praktikanten musst du allerdings darauf achten, ob es sich um ein Pflichtpraktikum oder ein freiwillige Praktikum handelt.

Anders ist das bei Nicht-EU Ausländern. Für ein Praktikum in Deutschland brauchen sie eine studentische Arbeitserlaubnis und ein Visum. Wichtig: Erst nachdem die Studenten ein konkretes Praktikum gefunden haben, kann der Student eine studentische Arbeitserlaubnis bei der zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) beantragen.

Die ZAV erteilt eine studentische Arbeitserlaubnis bei

  • Studenten mit ausländischer Staatsangehörigkeit, bei denen das Praktikum im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Fachstudium steht (Pflichtpraktikum)
  • Studenten, die zum Zeitpunkt des Praktikums an einer ausländischen Hochschule eingeschrieben sind und mindestens 4 Fachsemester erfolgreich absolviert haben

Welche Regelungen es noch bei ausländischen Mitarbeitern gibt, seien es Werkstudenten oder feste Arbeitnehmer, kannst du im Artikel über Beschäftigung und Einstellung ausländischer Mitarbeiter nachlesen.

Welche Aufgaben eignen sich für Praktikanten?

Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, wie du Praktikanten beschäftigen kannst?

Die Antwort ist denkbar einfach:

Praktika sollen praktische Kenntnisse eines Berufs vermitteln. Dazu gehört alles, was den normalen Arbeitsalltag ausmacht. Das heißt natürlich nicht, dass du ihn am ersten Tag zu einem Kunden schicken oder Budgetplanungen vornehmen lassen. Aber es ist ein erster Anhaltspunkt.

In den ersten Tagen geht es sowieso zunächst darum, ihm das Unternehmen und die Produkte näherzubringen, den Kollegen vorzustellen und mit wichtiger Software und Tools vertraut zu machen. In dieser Zeit bieten sich kleinere Tätigkeiten an, zum Beispiel Botengänge, Kopieren oder Akten sortieren. Ja, hier winkt das Klischee, aber dabei handelt es sich nun mal um tagtägliche Aufgaben, die dazugehören und die als Einstieg in komplexere Aufgaben dienen können.

Und die komplexeren Aufgaben sollten auch folgen. Leider werden Praktikanten oft mit einfachen Aufgaben abgespeist, mit denen sie vollkommen unterfordert sind. Teilweise wird das bewusst ausgenutzt, um unliebsame Aufgaben abzugeben. Das ist natürlich ein klares No-Go und wird hoffentlich (und zu Recht) mit einer Kündigung quittiert.

Manchmal passiert es aber auch, dass Praktikanten in Abteilungen gesetzt werden und sich niemand für sie verantwortlich fühlt. Oder ihnen wird nicht genug zugetraut. In diesen beiden Fällen ist es wichtig, dass du dir vorher Gedanken darüber machst, ob ihr Praktikanten überhaupt beschäftigen könnt und ein klarer Ansprechpartner existiert, an den sich Praktikanten wenden können.

Im besten Fall habt ihr gemeinsam vor dem Praktikum klare Ziele festgelegt: Welche Fähigkeiten soll er (kennen)lernen? In welchen Projekten arbeitet er mit? Welches gemeinsame Ziel verfolgt ihr? Pass dies an die bisherige Erfahrung (vorherige Praktika, im Bachelor, zwischen Bachelor und Master, im Master) an. Und vor allem: Trau ihm etwas zu und übergib auch mal die Verantwortung für ein ganzes Projekt. Aber gib hierbei auch Hilfestellung, wenn es nötig ist.

Rechte und Pflichten für Arbeitgeber

Angemessene Entlohnung im Praktikum

Freiwillige Praktika ab einer Dauer von drei Monaten fallen unter das Mindestlohngesetz (9,19€ pro Stunde, Stand 2019). Freiwillige Praktika unter drei Monaten fallen genauso wie Pflichtpraktika (unabhängig von der Dauer) nicht unter das Mindestlohngesetz. Das heißt: Du musst in diesen Fällen Praktikanten kein Gehalt zahlen. Aber du kannst. Beliebig viel.

Beachte: Bei freiwilligen Praktika kann jeder Tag zählen. Dauert das Praktikum auch nur einen Tag länger, oder wird das Praktikum spontan verlängert, besteht rückwirkend Anspruch auf Mindestlohn.

Behalte im Hinterkopf, dass Pflichtpraktikanten keine andere Wahl haben – sie müssen das Praktikum absolvieren. Und dafür gegebenenfalls in eine andere Stadt ziehen oder einen Nebenjob aufgeben, mit dem sie ihr Studium finanzieren. Da kann es schnell eng werden. Ein Praktikum mit Vergütung favorisieren daher die meisten Studenten. So handhaben es auch die allermeisten Arbeitgeber – 96 Prozent der Praktika sind vergütet.

Zudem dauern Pflichtpraktika meist drei bis sechs Monate, sodass Praktikanten nach einer kurzen Einarbeitungsphase eigenständig Aufgaben übernehmen können und dir somit auch einen wirtschaftlichen Mehrwert bringen. Das sollte auch durch ein Gehalt belohnt werden. Durch eine angemessene Entlohnung zeigst du, dass du den Praktikanten und seine Arbeit wertschätzt. Einer der Hauptgründe für Unternehmen Praktikanten einzustellen, ist die Mitarbeitergewinnung und Nachwuchsförderung. Eine attraktive Entlohnung ist nicht alles, aber doch wichtig, damit ein Praktikant Sie als attraktiven Arbeitgeber in Erinnerung behält. 

Aus diesem Grund ist es gang und gäbe, dass Unternehmen auch Pflichtpraktikanten eine Art Aufwandsentschädigung zahlen, meistens in Höhe von 450€ pro Monat, um zumindest die gröbsten Kosten zu decken. Einige Unternehmen gehen auch darüber hinaus und zahlen bis zu 1.500€ oder mehr. Mach dir Gedanken darüber, wie viel dir das Praktikum wert ist und gehe auch im Bewerbungsgespräch darauf ein. So findest du am schnellsten eine Lösung, mit der beide Seiten zufrieden sind. 

Vorsicht vor dem Scheinpraktikum

Was genau ein Praktikum ist, ist gesetzlich nicht näher definiert. Klar ist, dass ein Ausbildungsziel verfolgt wird: Der Praktikant soll relevante Berufserfahrung sammeln und praktische Kenntnisse sammeln, um sich auf einen Beruf vorzubereiten und/oder die Ausbildung zu ergänzen. Die Arbeitsleistung ist hierbei nachrangig.

Daher dürfen Praktikanten nicht wie Arbeitnehmer eingesetzt werden, ansonsten besteht ein vollwertiges Arbeitsverhältnis. Da der typische Lohn für ein Praktikum hierfür nicht angemessen ist, werden mitunter hohe Nachzahlungen in Höhe des berufsüblichen Gehalts fällig. Auch wenn der Vertrag als “Praktikumsvertrag” betitelt ist, ändert das nichts. Im Zweifelsfall betrachtet das Gericht die tatsächlich durchgeführten Aufgaben – nicht das, was auf dem Papier steht.

Auf der sicheren Seite bist du, wenn du zusätzlich zu dem Vertrag auch einen Ausbildungsplan erstellst, in dem du gemeinsam mit dem Praktikanten Ziele und Aufgaben während des Praktikums festlegst. Außerdem sollte die erbrachte Leistung reflektiert werden: Praktikumsberichte und regelmäßige Feedbackgespräche bieten sich hierfür an.

Müssen Praktikanten angemeldet werden?

Ob und welche Versicherungspflichten bestehen, sollte immer nochmal im Einzelfall geprüft werden, da die Regelungen hierzu recht komplex sind. Deswegen lässt sich die Frage, ob du Praktikanten anmelden musst, nicht pauschal beantworten. Doch auch damit solltest du dich beschäftigen, wenn du Praktika anbieten willst. 

Die Unterscheidung zwischen freiwilligem und Pflichtpraktikum ist auch in diesem Fall wichtig. Pflichtpraktika sind zum Beispiel tendenziell ausgenommen von der Pflicht für Renten-, Pflege-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Zahlst du dem Praktikanten mehr als 450€ pro Monat, kann sich das allerdings schon wieder ändern.

Auch die Sozialversicherungspflicht ist abhängig davon, ob und wie viel der Praktikant von dir bekommt.

Eines gilt aber auf jeden Fall: Der Praktikant muss unfallversichert sein. Ist das Praktikum Pflicht, ist das meist durch die Schule oder das Studium gegeben. Ist es das nicht, sollte er über das Unternehmen mitversichert sein. Bestehen Zweifel, lohnt es sich bei den entsprechenden Ämtern nachzufragen, ob du Praktikanten anmelden musst.

Wie lange darf ein Praktikant arbeiten?

Die maximal erlaubte wöchentliche Arbeitszeit ist vom Alter des Praktikanten abhängig.

Dabei unterscheidet das Gesetz drei Altersgruppen:

  • unter 15-Jährige
  • 15–17-jährige
  • Volljährige

Da Praktika im Rahmen eines Studiums meist von Volljährigen ausgeübt werden, gehen wir vor allem darauf ein. Die genauen Vorgaben für minderjährige Praktikanten findest du bei der Agentur für Arbeit.

Volljährige Praktikanten arbeiten in der Regel in Vollzeit, die Arbeitszeit entspricht also der festangestellter Mitarbeiter. Außerdem ist die Arbeitszeit flexibler zu handhaben: Zwar sollte sie 40 Stunden pro Woche nicht überschreiten, aber es können auch mehr als 8 Stunden pro Tag sein, wenn die Möglichkeit zum Ausgleich besteht und im Schnitt wieder 8 Stunden rauskommen. Mehr als 10 Stunden Arbeit an einem Tag sind gesetzlich aber nicht erlaubt.

Nach 6 Stunden Arbeit haben volljährige Praktikanten Anspruch auf 30 Minuten Pause, ab 9 Stunden sind es 45 Minuten. Die Pause kann in mehrere Blöcke aufgeteilt werden, die aber jeweils mindestens 15 Minuten lang sein müssen.

Falls die Prüfungsordnung dies erlaubt, kann die Dauer eines Pflichtpraktikums entsprechend verlängert werden, wenn das Praktikum in Teilzeit ausgeübt wird, zum Beispiel von 6 Wochen auf 3 Monate bei 20 Stunden pro Woche. Überstunden und Arbeitszeiten an Sonn- oder Feiertagen dürfen in einem freiwilligen Praktikum ausgeglichen werden. In einem Pflichtpraktikum besteht hierfür kein Anspruch.

Urlaubsanspruch von Praktikanten und Krankheitsfall

Auf einmal steht der Praktikant bei dir im Büro und bittet dich um Urlaub – natürlich bezahlt. Etwas überrumpelt stellst du dir erstmal die Fragen: Darf er das? Und wenn ja, wie viel steht ihm zu? Auch das ist abhängig davon, ob das Praktikum freiwillig gemacht wird oder verpflichtend zur Ausbildung gehört.

Wenig überraschend, dass auch in diesem Fall freiwillige Praktikanten besser dran sind. Wie festangestellten Mitarbeitern auch, steht ihnen Urlaub zu. Wie viel ist allerdings abhängig von der Dauer des Praktikums. Das Bundesurlaubsgesetz schreibt mindestens 24 Urlaubstage vor, das macht zwei Tage pro Monat, die Praktikanten bezahlt freinehmen dürfen.

Von dieser Regelung gibt es vier Ausnahmen:

  1. Beginnt das Praktikum nicht mit dem ersten Werktag eines Monats, sondern beispielsweise eine Woche später, entfällt der Urlaubsanspruch für den ersten Monat.
  2. Dauert das Praktikum maximal vier Wochen, besteht kein Anspruch. (Allerdings stellt sich auch die Frage, ob ein so kurzes Praktikum beiden Seiten etwas bringt.)
  3. Bringt der Praktikant keinen wirtschaftlichen Mehrwert, beispielsweise weil er nur hospitiert, hat er ebenfalls keinen Urlaubsanspruch.
  4. Ist der Praktikant minderjährig, besteht ein höherer Urlaubsanspruch: 30 Tage pro Jahr bei Praktikanten unter 16 Jahren, 27 Tage bei 16-jährigen und 25 Tage bei 17-jährigen.

Pflichtpraktikanten hingegen haben keinen Anspruch auf Urlaub, egal wie lange das Praktikum dauert. Die wenigsten Unternehmen bestehen aber darauf und gewähren zumindest ein paar freie Tage.

Urlaubsanspruch von Praktikanten | Infografik

Husten und Schnupfen hingegen ist es herzlich egal, ob das Praktikum freiwillig oder verpflichtend ist – wer krank ist, ist krank. Wichtig ist, dass du schon im Vorfeld den Ablauf der Krankmeldung klärst. Bei wem soll sich der Praktikant melden? Per Mail oder Telefon? Willst du ein ärztliches Attest sehen, wenn ja, wann? Am ersten Tag, nach drei Tagen oder wenn der Praktikant wieder fit ist und weiterarbeitet?

In einem freiwilligen Praktikum müssen die Fehltage nicht hinten drangehängt werden – außer der Praktikant möchte das und du bist damit einverstanden. Beim Pflichtpraktikum ist dies abhängig von der jeweiligen Prüfungsordnung. Hier kann es gut sein, dass die Fehltage nachgearbeitet werden müssen.

Probezeit und Kündigung des Praktikums

Auch wenn es sich bei Praktika um zeitlich sehr begrenzte Arbeitsverhältnisse handelt, gibt es eine Probezeit. Diese richtet sich nach der Gesamtdauer des Praktikums und beträgt bei einem dreimonatigen Praktikum etwa zwei Wochen. Bei längeren Praktika kann sie aber auch auf vier Monate ausgeweitet werden (§ 20 BBiG). 

Dürfen Praktikanten kündigen? Darfst du einem Praktikanten kündigen? Ja und jein. Laut § 22 des BBiG können während der Probezeit beide Seiten ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist ein freiwilliges Praktikum vorzeitig beenden.

Nach der Probezeit ist dies nur aus triftigen Gründen möglich, beispielsweise falls der Praktikant Eigentum der Firma stiehlt oder du wichtige Schutzbestimmungen vernachlässigst. Ansonsten können nach der Probezeit nur Praktikanten von einem ordentlichen Kündigungsrecht gebrauch machen und unter Einhaltung einer vierwöchigen Kündigungsfrist kündigen. Um die Chance einer Kündigung so gering wie möglich zu halten, sollten auch Praktikanten einen zeitlich angemessenen Onboarding-Prozess durchgehen. 

Für Pflichtpraktikanten gelten wiederum andere Regeln, da die rechtlichen Kündigungsvorschriften nicht zutreffen. Klar ist allerdings: Das Pflichtpraktikum darf von dir nicht ohne triftigen Grund beendet werden, da dies gegebenenfalls die Ausbildungszeit erheblich verlängern kann.

Praktikumsvertrag, Praktikumszeugnis und Praktikumsbescheinigung

Überzeugt von Praktika und bereit eins anzubieten? Dann musst du dich zunächst über die gesetzlichen Regelungen informieren. Beim Praktikum, das unter das Mindestlohngesetz fällt, weil es zum Beispiel freiwillig ist, musst du rechtlich manches beachten. Ansonsten ist der Praktikumsvertrag freiwillig. (Anders bei Werkstudenten: Hier benötigst du einen Werkstudentenvertrag). Aber ein Praktikum ohne Vertrag ist nur bedingt sinnvoll. Besser ist es, wenn ihr im Vorfeld gemeinsam darüber sprecht, klare Rahmenbedingungen festlegt und diese schriftlich festhaltet.

Denn gerade da es keine gesetzliche Verpflichtung dazu gibt, ist der Vertrag die wichtigste Grundlage, falls es während des Praktikums zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Und Pflichtpraktikanten müssen gegebenenfalls auch einen Vertrag als Bestätigung über das Praktikum der Hochschule vorlegen. Wichtigste Bestandteile des Vertrages sind:

  • Name und Anschrift der beiden Parteien
  • Ausbildungs- und Lernziele des Praktikums (freiwilliges oder Pflichtpraktikum?)
  • Beginn und Dauer des Praktikums
  • die tägliche/wöchentliche Arbeitszeit
  • der Arbeitsort
  • Höhe der Vergütung (insbesondere bei Mindestlohnpflicht)
  • Höhe des Urlaubsanspruchs
  • Probezeit und Kündigungsfristen
  • gegebenenfalls Geheimhaltungsvereinbarungen

Der Praktikumsvertrag ist einer von vielen Arbeitsverträgen. Was alles rein muss und ein kostenloses Muster zum Downloaden findest du in unserem Artikel "Praktikumsvertrag: Muster als PDF und Word downloaden".

Praktikumsvertrag Muster

Mit Abschicken willigst du ein, dass Campusjäger dir den regelmäßigen Newsletter mit Informationen zu den Themen HR, Recruiting und Employer Branding sowie dem Unternehmen und Leistungen per E-Mail zuschicken darf. Nach erfolgreicher Anmeldung erhältst du als Gegenleistung einen Musterarbeitsvertrag für Praktikanten als PDF und Word-Datei. Deine Einwilligung kannst du jederzeit widerrufen. Beachte auch unsere Datenschutzhinweise.

Das Zeugnis für ein Praktikum beinhaltet alles, was für gewöhnlich in einem qualifiziertem Arbeitszeugnis steht. Bei freiwilligen Praktika gehört es einfach dazu, egal wie lang der Praktikant im Unternehmen beschäftigt war.

Bei Pflichtpraktika reicht prinzipiell eine Bescheinigung, die für die Hochschule gedacht ist. Aus dieser muss auf jeden Fall die Dauer und das Tätigkeitsprofil hervorgehen, gegebenenfalls sind noch weitere Angaben nötig. Das muss im Einzelfall mit dem Praktikanten geklärt werden.

Hier findest ein kostenloses Muster zum Download für eine Praktikumsbescheinigung

Bedenke auch hierbei, dass du für ein Pflichtpraktikum zwar kein Arbeitszeugnis erstellen musst, es für dich aber kaum Mehraufwand bedeutet – während es dem Praktikanten bei späteren Bewerbungen enorm helfen kann. Damit zeigst du deine Wertschätzung gegenüber dem Praktikanten und erhöhst auch deine Attraktivität gegenüber zukünftigen Praktikanten.

Campusjäger findet Praktikanten für dich

Campusjäger verfügt über einen eigenen Talentpool mit über 112.000 Nachwuchstalenten und kooperiert mit einer Vielzahl von Jobbörsen, Universitäten, Hochschulgruppen und sozialen Netzwerken, um dich bei der Suche nach einem Praktikanten auf über 1.300 Kanälen zu unterstützen. So erreichst du die maximale Reichweite und findest schnell und effizient den passenden Praktikanten. 

 

Veröffentlicht am 22. February 2018, zuletzt aktualisiert am 17. September 2019

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