Wie Schweizer in Deutschland arbeiten können – Das musst du beachten

Viele Deutsche ziehen oder pendeln täglich in die Schweiz, um dort zu arbeiten. Aber das funktioniert auch andersrum. Es gibt auch Schweizer Staatsangehörige, die nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten.

Hier bekommst du einen Überblick, auf was du als Arbeitgeber achten musst, wenn du einen Mitarbeiter aus der Schweiz in deinem Unternehmen beschäftigen willst.

Inhalt

Beschäftigung von Arbeitnehmern der Europäischen Union

Im ganzen Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gilt die Freiheit des Waren-, Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr. Das heißt: Alle Mitglieder des EWR kannst du Dank der Personenfreizügigkeit problemlos einstellen.

Was ist der Europäischer Wirtschaftsraum? Dieser besteht aus der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) ohne die Schweiz.

Übrigens: EFTA-Mitgliedstaaten sind außer der Schweiz noch Island, Liechtenstein und Norwegen.

Das Einzige, das es zu beachten gilt bei der Einstellung der Mitarbeiter aus diesen Ländern: Dein neuer Mitarbeiter muss seinen Wohnsitz bei der zuständigen Behörde melden. Das liegt aber in seiner Verantwortung – du kannst ihn nur darauf hinweisen.

Die Zustimmung der Agentur für Arbeit muss nicht eingeholt werden. Seit dem 01. Juli 2015 gilt vollständige Freizügigkeit. Du musst du dich also um nichts weiter kümmern. Du beschäftigst sie nach den gleichen Regeln wie deutsche Arbeitnehmer auch.

Erfahre hier noch mehr über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer aus der EU und aus Drittstaaten.

Was ist jetzt mit der Schweiz? Die Schweiz gilt als politisch neutral und lehnt deswegen eine Aufnahme in die EU ab und ist auch nicht Teil des EWR.

Die Neutralität der Schweiz

Obwohl sich zuerst eine Mehrheit für den Beitritt zum EWR ausgesprochen hatte, wurde letztendlich an der Unabhängigkeitspolitik festgehalten und ein Beitritt kam somit nie zustande.

Zwischen der Schweiz und der EU wurden als Alternative verschiedene bilaterale Verträge in Kraft gesetzt. Darunter gibt es Abkommen über den Luft- und Landverkehr, über den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und auch über die Freizügigkeit.

Das Abkommen über die Freizügigkeit (Personenfreizügigkeit) müssen wir jetzt ein bisschen genauer anschauen. Denn dadurch kannst du auch Bürger aus der Schweiz ganz einfach in deinem Unternehmen einstellen.

Das Personenfreizügigkeitsabkommen

Kurz und knapp: Was ist das überhaupt?

Das Abkommen wurde 1999 von der Schweiz und der EU unterzeichnet. Im Juni 2002 trat das Freizügigkeitsabkommen dann in Kraft. Durch die EU-Erweiterung um weitere Mitgliedstaaten wurde das Abkommen 2004, 2006 und 2009 nochmal um weitere Protokolle ergänzt.

Durch dieses Abkommen wurde es für Schweizer vereinfacht, in den EU-Staaten eine Arbeit aufzunehmen und sich dort niederzulassen.

Einige Rechte, die für Schweizer Staatsangehörige in der EU durch das Personenfreizügigkeitsabkommen gelten:

  • geografische und berufliche Mobilität
  • gleiche Arbeitsbedingungen wie EU-Bürger
  • koordinierten Sozialversicherungsschutz
  • gleiche soziale und steuerliche Vergünstigungen wie EU-Bürger (bei Erwerbstätigkeit)
  • Familiennachzug
  • Anerkennung von Berufsqualifikationen

Was das genau bedeutet? Dazu später mehr.

Beschäftigung von Schweizern: Was musst du beachten?

Schweizer Bürger gehören also nicht dem EWR an. Sie sind aber nach dem Freizügigkeitsabkommen EWR-Staatsangehörigen gleichgestellt. Du kannst diese deswegen ohne Probleme in Deutschland beschäftigen.

Aufenthaltsbewilligung

Durch das Abkommen können Aufenthaltsbewilligungen ausgestellt werden. Und zwar gibt es diese langfristig (fünf Jahre) oder kurzfristig (ein Jahr).

Du kannst deinem Mitarbeiter aus der Schweiz auch einen unbefristeten Vertrag anbieten. Wenn dein Mitarbeiter nach fünf Jahren noch bei dir beschäftigt ist, wird die Aufenthaltsbewilligung um weitere fünf Jahre verlängert.

Für ein Arbeitsverhältnis unter drei Monaten wird keine Aufenthaltsbewilligungen benötigt.

Wenn ein Arbeitnehmer zwar nicht in Deutschland wohnen, dort aber arbeiten möchte, benötigt dieser eine Sonderbescheinigung für Grenzgänger. In dem Fall ist auch keine Aufenthaltsbewilligungen erforderlich.

Doppelbesteuerungsabkommen

Hat der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz in der Schweiz, arbeitet aber in Deutschland, so ist er in Deutschland beschränkt steuerpflichtig. Die Einkünfte, die der Arbeitnehmer im Inland einnimmt, unterliegen dabei der deutschen Einkommensteuer. Der inländische Arbeitgeber ist grundsätzlich zum Lohnsteuerabzug verpflichtet.

Da der Arbeitnehmer aber in der Schweiz seinen Wohnsitz hat, ist er dort ebenfalls steuerpflichtig. So entsteht eine Doppelbesteuerung.

Durch das Doppelbesteuerungsabkommen (oder: Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung) zwischen der Schweiz und der EU soll eben diese doppelte Belastung aufgehoben werden.

Dabei gibt es verschiedene Ansätze, die dabei in Betracht gezogen werden:

  • Wohnsitzlandprinzip: Die Person ist in dem Staat steuerpflichtig, in dem sie ihren Wohnsitz hat.
  • Welteinkommensprinzip: Die Person wird im Wohnsitzstaat mit ihrem Welteinkommen besteuert.
  • Quellenlandprinzip: Die Person ist in dem Staat steuerpflichtig, aus dem ihr Einkommen stammt.
  • Territorialitätsprinzip: Die Person wird im Quellenstaat (der Staat, in dem Einkünfte erzielt werden) nur mit dem Einkommen veranlagt, das sie auf dem Territorium des betreffenden Staates erwirtschaftet hat.

Für unbeschränkt steuerpflichtige Personen, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt im Inland haben, gilt im deutschen Einkommensteuerrecht grundsätzlich das Wohnsitzlandprinzip und das Welteinkommensprinzip.

Für Personen, die im Inland weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, die also nur dort arbeiten, gilt grundsätzlich das Quellenlandprinzip und das Territorialitätsprinzip.

Genauere Auskünfte über die Doppelbesteuerungsabkommen erteilt die Eidgenössische Steuerverwaltung.

Hat der Arbeitnehmer seinen Wohnsitz nach Deutschland verlegt, weil er dort eine Tätigkeit ausübt, ist er in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig.

Sozialversicherung & Krankenversicherung

Die Schweiz und die EU haben vereinbart, dass im Bereich der sozialen Sicherheit jeweils nur die Rechtsvorschriften eines Staates gelten sollen.

Wenn der Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet, unterliegt er grundsätzlich der deutschen Sozialversicherungspflicht. Also in dem Staat, wo die Beschäftigung ausgeübt wird.

Für die Sozialversicherungen bist du als Arbeitgeber zuständig. Denn sobald ein Arbeitnehmer in deinem Unternehmen beschäftigt ist, musst du Beiträge in die gesetzlichen Sozialversicherungen abführen. Allerdings muss auch der neue Mitarbeiter seinen Teil dazu beitragen.

Bevor du die Sozialversicherungsbeiträge zahlen kannst, muss er bei einer Krankenversicherung in Deutschland angemeldet sein. Auch die Krankenversicherung muss in dem EU-Staat abgeschlossen werden, wo der Arbeitsort ist.

Als Schweizer in Deutschland arbeiten

Um das Recht der Personenfreizügigkeit nutzen zu können, muss der Arbeitnehmer eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Er hat einen gültigen Arbeitsvertrag.
  • Er ist selbstständig erwerbend.
  • Er verfügt über ausreichende finanzielle Mittel und eine Krankenversicherung. (Wenn er nicht erwerbstätig ist)

Auch ohne finanzielle Mittel darf ein Bürger aus der Schweiz einreisen und sich in Deutschland aufhalten. Dieser Zeitraum ist allerdings beschränkt auf sechs Monate, in der er sich dann einen Arbeitsplatz suchen muss.

Innerhalb von drei Monaten nach Einreise muss er allerdings bei der zuständigen Behörde eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Das ist in der Regel eine reine Formalität und mit wenig Bürokratie verbunden.

Anerkennung von Berufsqualifikationen

Grundsätzlich gilt: Ausländische Berufsqualifikationen müssen in Deutschland erst anerkannt werden. Abschlüsse, die in der Schweiz erworben wurden, gelten in Deutschland meist als gleichwertig. Eine Anerkennung ist nur nötig, wenn der Beruf im Aufnahmestaat reglementiert ist.

Reglementierte Berufe:

  • Arzt
  • Zahnarzt
  • Tierarzt
  • Apotheker
  • Architekt
  • Rechtsanwalt

Diplome, die in der Schweiz erworben wurden, werden in der EU grundsätzlich anerkannt.

Bei einigen Berufen kann verlangt werden, dass die Ausbildung erweitert wird, wenn sie sich stark von der im Aufnahmestaat unterscheidet.

Du möchtest mehr über die Relocation erfahren? Hier gibts noch mehr Tipps zu dem Prozess, Mitarbeiter nach Deutschland zu holen.

Fazit

Durch die bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU ist es kein Problem mehr, einen Schweizer Staatsbürger in Deutschland zu beschäftigen. Trotzdem gibt es noch einige Dinge, über die du als Arbeitgeber Bescheid wissen solltest und auf die du achten musst.

Auch die Integration in ein neues Land solltest du deinem Mitarbeiter so einfach wie möglich machen. Dafür gibt es zum Beispiel Onboarding Prozesse, mit denen du deine neue Arbeitskraft in dein Unternehmen einführen kannst.

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Veröffentlicht am 19.01.2021, aktualisiert am 04.03.2021

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