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Recruiting Games: Sinnvoll oder verspieltes Geld? - Campusjäger

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Recruiting Games: Sinnvoll oder verspieltes Geld?

Finde heraus, ob es sich für dich lohnt

Recruiting Games sind voll im Kommen:

Unternehmen wie die DAK, Targobank und Lufthansa – sogar die Bundespolizei – haben sie bereits in ihren Bewerbungsprozess integriert.

Und das nicht ohne Grund: Recruiting Games sollen die Bewerberauswahl effektiver machen und das Unternehmensimage verbessern.

Aber was sind Recruiting Games überhaupt? Und lohnt sich das auch für dich?

Inhalt

Was sind Recruiting Games?

Recruiting Games sind spielerisch gestaltete Eignungstests, die bei der Selektion von Bewerbern helfen sollen. Die bessere Bewerberqualität soll automatisch zu einer höheren Trefferquote führen – selbst wenn der restliche Auswahlprozess gleich bleibt.

Einer der ersten, die diese Art des Recruitainments für sich entdeckt hat, ist die US Army: Der eigens hierfür entwickelter Egoshooter „America's Army" soll potenzielle Kandidaten anwerben und auf Soft Skills (wie etwa Stressresistenz, Belastbarkeit und Entscheidungsgeschwindigkeit) testen. Spieler mit besonders vielen Punkten bekommen eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

In Deutschland sieht es auf dem Gebiet der Recruiting Games schon etwas konservativer aus – laut einer Studie der Universität Bamberg nutzen die wenigsten Unternehmen für ihr Recruiting richtige Spiele.

Hierzulande sind diese „Games” nämlich meist nur ansprechend gestaltete Eignungstests, beispielsweise in Form von Wissenstests oder Simulationen.

Diese können entweder als Selbsttest vor einer Bewerbung oder als Auswahlinstrument nach einer Bewerbung eingesetzt werden.

Während ersteres den Kandidaten als Orientierung und Entscheidungshilfe dienen soll (und somit nur ein indirektes Selektionsinstrument ist), gehört letzteres schon zum konkreten Auswahlprozess.

Doch egal ob vor oder nach der Bewerbung – Recruiting Games sollen vor allem die jungen Generationen Y und Z ansprechen. Durch die Gamification des Recruitingprozesses soll das eingestaubte Image von Jobs oder Unternehmen verbessert werden, um so Nachwuchstalente anzuwerben.

Recruiting Games als Selbsttest

Eine der häufigsten Ursachen für eine schlechte Bewerberauswahl, ist eine falsch verstandene Stellenbeschreibung.

Die Vorstellungen der Bewerber über Aufgaben und Alltag in einem Job entsprechen nicht den Tatsachen, weswegen sich ungeeignete Kandidaten bewerben, während es geeignete nicht tun. Ärgerlich für beide Seiten.

Um die Fehlerquote von Anfang an so niedrig wie möglich zu halten, solltest du bei der Formulierung deiner Stellenanzeigen die Aufgaben und das Arbeitsumfeld so genau wie möglich beschreiben. Wie du das machst, erfährst du hier.

Genau aus diesem Grund bietet beispielsweise die Bundespolizei einen Selbsttest auf ihrer Karriereseite an. Hier erhält der Interessent einen ersten Einblick in den Arbeitsalltag und kann dadurch besser einschätzen, ob dieser wirklich was für ihn ist.

Recruiting Game als Selbsttest vor der Bewerbung

Wenn ja, kann er sich direkt bewerben – wenn nicht, selektiert er sich gewissermaßen selbst aus. Das spart Personalern eine Menge Zeit und Arbeit.

Die DAK setzt noch einen drauf und bietet Kandidaten ein ganzes Online-Praktikum an. Und das gleich für fünf verschiedene Positionen. So werden Kandidaten auch auf Jobs aufmerksam gemacht, die sie vorher eventuell noch gar nicht in Betracht gezogen haben.

Online Praktikum bei der DAK

Da solche Selbsttests vor allem auf junge Berufseinsteiger abzielen, werden sie meist in (Hoch-)Schulplattformen, der eigenen Karrierewebseite und vor allem in Social Media platziert – eben dort, wo die jeweilige Zielgruppe am ehesten damit in Berührung kommt.

Wichtig ist, dass der Unterhaltungsfaktor nicht zu kurz kommt – schließlich setzt das Recruiting Game hier vor der eigentlichen Bewerbung an und ist somit freiwillig. Sieht es nicht ansprechend genug aus, so wird es auch nicht gespielt.

Im schlimmsten Fall wirkt es sogar abschreckend auf deine Bewerber und schadet deinem Image. 

Achte also unbedingt darauf, dass das Spiel gut gemacht ist und deiner Zielgruppe tatsächlich Spaß macht.

Dafür erstellst du dir am besten vorab eine Candidate Persona, um auch wirklich die richtigen Kandidaten anzusprechen.

Vergiss aber andererseits den eigentlichen Sinn dahinter nicht . Du solltest die Inhalte des Jobs gut darstellen, relevante Fähigkeiten testen und Wünsche beziehungsweise Bedürfnisse des Kandidaten abfragen.

Das (vorläufige) Ergebnis teilst du übrigens am besten sofort mit – nicht erst zwei Wochen später per Mail. Andernfalls riskierst du den Kandidaten zu frustrieren, schließlich erhofft auch er sich neue Erkenntnisse vom Test.

Recruiting Games als Auswahlverfahren

Recruiting Games können aber auch nach der Bewerbung ansetzen und als erstes Auswahlinstrument oder Ersatz für das Assessment Center genutzt werden.

Dabei sollen Bewerber auf unterhaltende Weise in das Testverfahren einbezogen werden. Aus einem einseitigen Eignungstest wird also eine Art Dialog auf Augenhöhe.

Die lockere Atmosphäre löst die Anspannung der Kandidaten und führt so im besten Fall zu authentischeren Ergebnissen.

Ein gutes Beispiel hierfür bietet die Recruiting Aktion von Clifford Chance: Hier werden angehende Rechtswissenschaftler zu einem zweitägigen Krimi-Event eingeladen.

Während die Kandidaten spielerisch einen Mordfall lösen, zeigen sie unbewusst, wie gut sie im Team arbeiten, sich einbringen und mit schwierigen Aufgabenstellungen umgehen.

Wer die anwesenden Personaler überzeugt, wird anschließend zu einem persönlichen Gespräch eingeladen.

Recruiting Game von Clifford Chance

Aber: Bei all dem Spaß darf das eigentliche Testen der Bewerber auf keinen Fall untergehen.

Gerade weil es hier schon um die konkrete Auswahl von Bewerbern geht, sollten deine Spiele unbedingt alle nötigen Fähigkeiten und Kompetenzen testen – und das so genau wie möglich. Andernfalls kann es zu Fehlurteilen kommen und die Aktion kostet dich nur unnötig viel Geld.

Beispiel: Einige Unternehmen prüfen ihre Bewerber mit Hilfe von Escape Games. Grundsätzlich eine gute Idee, allerdings sollten die Aufgaben immer genau auf den jeweiligen Job angepasst werden. Testest du zu allgemein oder ist der Interpretationsspielraum bei der Auswertung zu hoch, so wirst du auf kein brauchbares Ergebnis kommen.

Apropos Geld: Wenn dir nicht genügend Ressourcen für ein Recruiting Event zur Verfügung stehen, dann kannst du es auch einfach wie die Targobank machen:

Sie selektiert ihre Bewerber mit Hilfe eines einstündigen „Online-Assessments" vor. Dieses wird von den Bewerbern bequem von zu Hause aus durchgeführt und später von der Personalabteilung ausgewertet. Nur wirklich geeignete Kandidaten werden dann zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.

e-Assessment der Targobank

Solche Online-Assessment-Center sind der klassischen Variante sehr ähnlich – nur dass du hier mehr Spielraum für die Gestaltung hast. Auch brauchst du für die Durchführung kein Personal, weswegen du sie gut als erstes Auswahlinstrument nutzen kannst.

Klingt erstmal toll, keine Frage. Aber der Spagat zwischen Wissenschaft und Spaß ist schwieriger als du denkst. Angesichts der Kosten solltest du also genau abwägen, ob Recruiting Games wirklich was für dich sind.

Lohnen sich Recruiting Games für dich?

Ein Recruiting Game in deinen Bewerbungsprozess zu integrieren kostet dich unter Umständen erst mal Geld. Ob sich diese Investition für dich lohnt, musst du für dich entscheiden – schließlich kennst du dein Unternehmen und deine Zielgruppe am besten.

Als kleine Entscheidungshilfe haben wir dir hier alle Vor- und Nachteile gesammelt:

Vorteile

  • Es wird Klarheit über Inhalte des Jobs geschaffen und Vorurteilen entgegengewirkt
  • Die richtigen Bewerber werden angelockt, die falschen springen von selbst ab
  • Bewerber werden zu einer Bewerbung animiert, indem ihnen der Job schmackhaft gemacht wird
  • Kandidaten haben Spaß, sind entspannter und dadurch authentischer
  • Durch ein Online-Assessment-Center kannst du mit weniger Aufwand mehr Bewerber bewältigen
  • Du verbesserst deine Candidate Experience und dein Employer Branding
  • Recruiting Games eignen sich grundsätzlich für jede Branche

Nachteile

  • Recruiting Games sind teuer und aufwendig
  • Du benötigst gegebenenfalls fachkundiges Personal zur Entwicklung und Auswertung
  • Hast du nicht das nötige Knowhow, musst du dir externe Hilfe holen und bist davon abhängig
  • Tatsächlicher Nutzen ist fraglich, da kaum konkrete Zahlen oder Studien vorliegen
  • Nicht für jede Position geeignet, eher für junge Berufseinsteiger
  • Muss sehr gut umgesetzt sein, sonst nur Risiko für Imageschäden

Recruiting Games: Ein Fazit

Für junge Bewerber (vor allem Berufseinsteiger) sind Recruiting Games eine wirklich gute Alternative. Besonders die Generation Z – die sozusagen mit dem Smartphone in der Hand geboren wurde – ist permanentes Entertainment gewöhnt.

Eingestaubte Berufe und als konservativ abgestempelte Unternehmen können mit einem modernen, spielerischen Bewerbungsprozess Pluspunkte sammeln und ihr Image bei jungen Bewerbern aufpolieren.

Ob diese Art des Recruitainments allerdings tatsächlich deine Bewerberqualität erhöht, ist fraglich. Es liegen kaum wissenschaftliche Belege vor und so richtig durchzusetzen scheint sich das Thema bisher auch nicht.

Dennoch: Ein gut gestaltetes Recruiting Game lockert die sonst so angespannte Atmosphäre und macht den Bewerbungsprozess für deine Bewerber viel angenehmer – was deine Candidate Experience enorm verbessert. Und allein dafür kann sich ein Recruiting Game schon lohnen. 

Veröffentlicht am 11. September 2019, zuletzt aktualisiert am 17. October 2019

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