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Kununu: Was Sie bei negativen Bewertungen tun können - Campusjäger

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Kununu: Was Sie bei negativen Bewertungen tun können

Die unliebsame kununu-Bewertung löschen lassen oder kommentieren?

Was ist Kununu?

Mit durchschnittlich 7,5 Millionen Seitenaufrufen pro Monat gilt Kununu als die erfolgreichste Online-Plattform für Arbeitgeberbewertungen im deutschsprachigen Raum. Rund 2.000.000 Bewertungen über mehr als 300.000 deutsche Unternehmen sind auf kununu zu finden. Logisch, dass sich bei dem Angebot viele Bewerber vorab über die Attraktivität ihres Wunscharbeitgebers informieren.

Die Bewertungsmöglichkeiten beruhen auf dem EFQM (European Foundation for Quality Management) und sollen eine differenzierte Sicht auf das Unternehmen widerspiegeln. Damit das Bewertungssystem nicht ausgenutzt wird, müssen sich Nutzer an folgende Richtlinien halten:

  • Personen dürfen nicht bewertet werden
  • Keine Veröffentlichung von firmeninternen Informationen
  • Schmähkritik mit diskriminierenden, beleidigenden, rufschädigenden, rassistischen sowie vulgären Inhalt ist nicht erlaubt

Kununu kontrolliert die Einhaltung dieser Richtlinien, indem nur Nutzer, die sich über ihre persönlichen Daten registriert haben, Bewertungen abgeben können. Die Nutzerinformationen sonst anonym. Technische Filter verhindern außerdem Bewertungen mit firmeninternen Informationen oder beleidigenden Inhalten.

Kununu – wichtig für das Employer Branding?

Laut einer repräsentativen Umfrage von Bitkom steigt der Trend, sich über Unternehmen auf Arbeitgeberbewertungsseiten zu informieren. Bei jüngeren Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren hat jeder Zweite (52 Prozent) eine Online-Arbeitgeberbewertung gelesen. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 46 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen 39 Prozent.

 

Ob zur groben Orientierung oder zur Überprüfung nach einem ersten Kontakt: Online-Rezensionen spielen in der Arbeitswelt genauso wie in anderen Bereichen – etwa bei Produkten, Hotels oder Dienstleistungen – eine immer größere Rolle.

Bitkom-Expertin Juliane Petrich

Für viele Bewerber gehört der Zwischenstopp bei Kununu oder anderen Arbeitgeberbewertungsportalen mittlerweile zum Bewerbungsprozess dazu. Und selbst wenn ein Bewerber mit kununu noch nicht vertraut ist – sobald er das Unternehmen in Google eingibt, landet er dank guter Suchmaschinenrankings mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf kununu.

Sie können kununu zwar ignorieren, sollten Sie aber nicht, wenn Ihnen Employer Branding und Recruiting wichtig ist. Durch die Kommentarfunktion haben Sie die Möglichkeit auf Bewertungen zu reagieren und einen potentiellen Imageschaden wieder zurechtzubiegen.

Negative Bewertung – Wie reagieren?

Schlechte Bewertungen erscheinen im ersten Moment niederschmetternd. Jetzt gilt es das Beste draus zu machen. Das bedeutet einerseits berechtigte Kritik anzunehmen und umzusetzen, aber auch nach außen zu zeigen, dass Sie mit Mitarbeitern in den offenen Dialog gehen und Kritik ernst nehmen. Oft handelt es sich um ein Missverständnis, das durch einen fairen Dialog aus der Welt geschafft werden kann. So beweisen Sie Transparenz und Souveränität und polieren Ihre Arbeitgebermarke.

Durch die Kommentarfunktion auf kununu können Sie kostenfrei Bewertungen öffentlich kommentieren.

Leider nutzen diese Chance nur die wenigsten Unternehmen. Laut einer Studie von Employer Telling, die etwa 1300 auf Kununu veröffentlichte Statements von Unternehmen untersucht, reagierte nur jedes hundertste Unternehmen auf Kommentare, die auf kununu gepostet wurden. Wenn doch kommentiert wird, handelt es sich meist um Standardfloskeln, leeren Worthülsen oder sogar passiv-aggressiven Inhalten. Unpersönliche E-Mails wie “karriere@unternehmensname.de” sind auch ein Tabu.

Was einen professionellen Umgang mit negativen Bewertungen ausmacht:

  • Differenziertes, individuelles Eingehen auf alle Kritikpunkte
  • Angabe eines konkreten und authentischen Ansprechpartners mit valider Kontaktmöglichkeit
  • Zeitnahes Kommentieren
  • Höfliches Zurückweisen von unberechtigter Kritik durch schlüssige Argumente

Selbstbewertungen

Bei Fake-Bewertungen oder Selbstbewertungen handelt es sich um Bewertungen, die das Unternehmen für sich selbst schreibt, in der Hoffnung, den Score nach oben zu treiben. Mal abgesehen davon, dass dabei das Konzept der Transparenz unterwandert wird, kann das auch für das Unternehmen nach hinten losgehen.

Fake-Bewertungen sind oft daran zu erkennen, dass in Überschriften nur Superlative zu finden sind, extrem positive Bewertungen auf negative folgen, Satzbau und Formulierungen sehr ähnlich sind und das Wording des Unternehmens zu erkennen ist.

Potentielle Bewerber schauen sich nicht nur den Durchschnitt der Bewertungen an, sondern lesen sie vereinzelt auch durch. Wer offensichtliche Fake-Bewertungen findet, ist natürlich abgeschreckt. Wenn ein Unternehmen sich selbst lobhuldigt und dabei zu unrechtmäßigen Mitteln greift, zeigt dem Bewerber, dass auf der Geschäftsebene bereits einiges im Argen liegt.

Von kununu profitieren 

Mit einer nett formulierten Rundmail können Sie ihre Mitarbeiter um eine ehrliche Bewertung bitten. Dadurch vermitteln Sie, dass Sie an Kritik und Verbesserungsvorschlägen interessiert sind. Mitarbeiter, die durch das eigene Unternehmen zu einer Bewertung auf kununu angeregt werden, bewerten meist positiver als die, die aus Eigeninitiative handeln. Es lohnt sich also doppelt.

Angesichts der wachsenden Bedeutung von Arbeitgeberbewertungsportalen ist es klug, die Kommentarfunktion zu nutzen und für den richtigen Umgang mit negativen Bewertungen Geld, Zeit und Personal zu investieren. Durch beispielsweise Guidelines können geschulte HR-Mitarbeiter schnell und systematisch auf Kritik eingehen und die Arbeitgebermarke sowie das Recruiting zu stärken.

Bewertungen löschen

Besonders negative Bewertungen ziehen nicht nur den Score runter, sondern sind vor allem auf inhaltlicher Ebene problematisch.

Trotz der eigentlich guten Intention von Arbeitgeberbewertungsplattformen, kommen 1-Stern-Bewertungen vor, die eher an einen Hetzaufruf erinnern statt konstruktiv zu kritisieren. Die meisten Bewertungen fallen unter die freie Meinungsäußerung und müssen hingenommen werden. Unter gewissen Umständen können Sie allerdings die Bewertung entfernen lassen. Wenn eine Bewertung Sie oder einen Mitarbeiter diffamiert, beleidigt oder eine Person namentlich nennt, sollten Sie den Kommentar umgehend löschen lassen.

Unter diesen Kriterien, können Sie eine Bewertung auf kununu löschen lassen:

Mangelnde Arbeitnehmereigenschaft

Die Bewertung muss von einem Nutzer kommen, der auch tatsächlich bei dem Unternehmen arbeitet, gearbeitet oder sich beworben hat. Diese Anforderung ist in den AGB von kununu verankert. Bei einer Klage muss kununu nachweisen, dass der Bewerter auch tatsächlich in solch einem Verhältnis zum Arbeitgeber stand.

Unwahre Tatsachen

Der Nutzer beschreibt eine Situation, die (so) nicht stattgefunden hat.

Verletzung des Datenschutzrechts

In der Bewertung werden personenbezogene Daten von Ihnen oder von Mitarbeitern veröffentlicht.

Schmähkritik und Diffamierung

Sobald die Bewertung üble Nachrede und Verleumdung in Form von Beleidigungen und Unterstellungen enthält, gilt sie als Schmähkritik und Diffamierung.

Wo kann man sie löschen lassen?

Wenn Sie sich sicher sind, dass Sie die Bewertung nicht kommentieren möchten, gibt es zwei Wege, um eine Bewertung auf kununu zu entfernen:

Kontaktformular kununu

Unter "Bewertung melden" können Sie die Bewertung dem kununu-Support melden. Dabei müssen Sie zeigen, welche Textpassage aus welchem Grund gegen die Richtlinien verstößt. Kununu stellt die Bewertung zunächst offline, um den Fall zu prüfen. Je nachdem, ob ein Verstoß vorliegt oder nicht, wird die Bewertung gelöscht oder erneut sichtbar gemacht.

Rechtsanwalt einschalten

Noch bevor sie kununu kontaktieren, ist es sinnvoll, einen Anwalt, der sich auf Reputationsschäden spezialisiert hat, zu konsultieren. Durch eine Erstberatung lässt sich schnell klären, ob ein juristischer Verstoß vorliegt oder nicht. Außerdem kann vorab eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt werden. Viele Personaler versuchen auf eigene Faust die schlechte Bewertung aus der Welt zu schaffen. Das bedeutet häufig Mehraufwand und bringt nicht unbedingt das gewünschte Ergebnis.

Da kununu auch an “echten” Bewertungen mit seriösem Inhalt interessiert ist, zeigt sich kununu kooperativ. Im Zweifelsfall ist es dennoch ratsamer, einen Anwalt einzuschalten, um eine sichere Lösung zu bewirken.

 

Veröffentlicht am 26. November 2018, zuletzt aktualisiert am 03. December 2018

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