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Autismus in Unternehmen – Wie die Integration funktionieren kann - Campusjäger

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Autismus in Unternehmen – Wie die Integration funktionieren kann

Neurodiversität bereichert dein Unternehmen

Obwohl in den Medien immer öfter über Autismus und Neurodiversität berichtet wird, gibt es kaum Infos über den Bereich "Autismus und Beruf" – und nur wenige Personaler wissen, mit welchen Besonderheiten sie rechnen sollten.

Die Folge: Autisten ecken an und finden trotz überdurchschnittlicher Qualifikationen keinen Job. 

In diesem Artikel informieren wir dich über Verhaltensweisen, mögliche Konflikte und geeignete Rahmenbedingungen, um Autisten als Arbeitnehmer zu beschäftigen. Er soll dich bei deiner Entscheidung sowie dem Recruiting unterstützen und dich und deine Mitarbeiter auf Kollegen aus dem autistischen Spektrum vorbereiten.

Inhalt

Was ist Neurodiversität?

Noch nie davon gehört? Das ist nicht weiter verwunderlich – der Begriff ist gar nicht so alt. Er entstand etwa um die Jahrtausendwende und hat in den darauffolgenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Per Definition von Neurodiversität verbergen sich hinter dem Begriff die Neurologie – also die Wissenschaft vom Gehirn/Nervensystem – und die Diversität, sprich: Verschiedenheit. Gelegentlich wird daher auch von neurologischer Diversität, neurologischer Verschiedenheit oder neurologischem Pluralismus gesprochen.

Dazu gehören unter anderem Autismus, AD(H)S, Dyspraxie, Dyskalkulie und Legasthenie. Das sind demnach keine pathologischen Erscheinungen, sondern genetische Unterschiede, wie sie zwischen allen Menschen existieren. Sie spiegeln die soziale Vielfalt wider – genauso wie das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die Ethnie oder Behinderungen.

Obwohl mehrere neurologische Verschiedenheiten gemeint sind, stellen Autist*innen den größten Teil der Neurodiversitätsbewegung dar. Insbesondere sie haben den Begriff geprägt und sind daher oft gemeint, wenn es um Neurodiversität geht.

Und was ist Autismus?

Das ist nicht so leicht zu sagen. Eine oft genutzte Definition beschreibt Autismus als eine tiefgreifende Entwicklungsstörung.

Daher wirkt sich Autismus – je nach Ausprägung – mehr oder minder stark auf diese drei alltäglichen Bereiche aus:

  1. Wahrnehmung
  2. Denkweise
  3. (soziale) Interaktion

Das kann sich auf vielfältige Weise äußern:

Möglich ist, dass der Aufbau und Erhalt von sozialen Beziehungen erschwert ist. Oder die Kommunikation ist auffällig, was sich beispielsweise durch eine überaus korrekte Sprache oder seltenen Blickkontakt auszeichnen kann. Gegebenenfalls ist auch die Stressverarbeitung erschwert, da Schwierigkeiten bei der Filterung und Verarbeitung von Sinneseindrücken bestehen.

Aber Autismus ist nicht Autismus. Zwar haben autistische Menschen einige Eigenschaften besonders häufig gemein, jedoch gibt es verschiedene Formen und jede in unterschiedlichen Ausprägungen. Deshalb wird auch von einem autistischen Spektrum beziehungsweise in der Medizin von einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) gesprochen.

Allerdings suggeriert “Störung” hierbei wieder, dass es sich um eine pathologische Veränderung handelt. Dabei kann jeder Mensch autistische Züge aufweisen – die Grenzen sind fließend. Zum Beispiel arbeiten Menschen, die in dieses Spektrum fallen, oft in natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Bereichen. Statistiken zufolge sind rund 1% der Bevölkerung Autisten.

Daher kommt es vor, dass Autismus spät oder gar nicht erkannt wird. Besonders oft beim Asperger-Syndrom vor, einer Variante des Autismus, die relativ unauffällig ist.

Sie selbst und ihre Umwelt nehmen sie gegebenenfalls als “anders” war – skurril, humorlos, pingelig, zwanghaft … Gerade so, dass sie in ihrem Umfeld anecken und auffallen, aber nicht stark genug, als dass eine physische oder psychische Ursache vermutet wird.

Darunter können Autisten leiden, denn das geht schnell mit sozialer Isolierung einher, von privaten bis hin zu beruflichen Beziehungen. Und sie haben oft den Eindruck, unter-/überschätzt oder missverstanden zu werden. Sie versuchen sich den Erwartungen und Normen anzupassen und entwickeln Kompensationsmethoden, die psychisch jedoch sehr belastend sein können.

Was haben Unternehmen damit zu tun?

Diversity Management – oder auch: Management der Vielfalt.

Als Teil des Human Resources Management hält dieser Bereich bereits in viele Unternehmen Einzug. Und auch Neurodiversität spielt hier eine Rolle.

Was hat es damit auf sich?

Je vielfältiger die Aufgaben und Herausforderungen in einem Unternehmen sind, desto vielfältiger sind die Anforderungen, die an Mitarbeiter gestellt werden.

Das Diversity Management hat das Ziel, Mitarbeiter entsprechend ihrer Stärken einzusetzen, um so die personelle und soziale Vielfalt möglichst effektiv zu nutzen und in den Erfolg des Unternehmens zu integrieren.

Das ist gut, denn zahlreiche Studien belegen: Je unterschiedlicher die Persönlichkeiten in einem Team sind, desto effizienter arbeiten sie und liefern bessere Ergebnisse. (Ok, hier spielen einige Faktoren eine Rolle, aber im Grunde lässt sich durchaus sagen, dass heterogene Teams erfolgreicher sind.)

Dann ist doch alles gut? Autisten können sich einfach auf einen Job bewerben und arbeiten.

So einfach ist es nicht.

Autismus kann sich (stark) negativ auf das Berufsleben auswirken. Zwar gibt es keine exakten Zahlen, jedoch sind Schätzungen zufolge nur 5 bis 12 Prozent der Autisten in Deutschland auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig, obwohl sie oft sehr gute Qualifikationen haben.

Weitere 45% sind angeblich in Werkstätten für behinderte Menschen tätig. Demnach sind knapp 50% der Menschen aus dem autistischen Spektrum arbeitslos.

Wieso haben es Autisten auf dem Arbeitsmarkt schwer?

Einerseits ist es die Unwissenheit auf Seite der Unternehmen. Da sich Autisten oft anders als das Bekannte verhalten, fallen sie auf – beispielsweise durch ihr Sozialverhalten oder weil sie ihre Qualifikationen verschweigen.

Das wird problematisch, sobald sich Personaler nicht mit Autismus auskennen oder nichts davon beim Bewerber wissen. Das Verhalten kann sich dann negativ in Bewerbungsgesprächen auswirken, sodass Autisten es nicht darüber hinaus schaffen.

Sind Autisten andererseits bereits im Unternehmen beschäftigt, können sie gegebenenfalls nicht ihr ganzes Potenzial einbringen, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Während sie fachlich unterfordert sind, überfordern soziale Situationen sie. Das versuchen sie zu kompensieren, jedoch kostet es Autisten viel Kraft, sich zu verstellen, um den alltäglichen Erwartungen gerecht zu werden. Diese Fassade kann nicht langfristig aufrechterhalten werden, was bis zum Verlust des Arbeitsplatzes führen kann.

Da Autisten oft selbst nichts davon wissen oder erst spät erfahren, wissen sie selbst nicht damit umzugehen und können es auch nicht ihren Arbeitgebern vermitteln. Und selbst wenn, bestehen in vielen Unternehmen noch Schwierigkeiten, damit umzugehen: Sie wissen nicht, wie sie ihre Mitarbeiter hierbei unterstützen können und sollten. Dadurch sehen sich Autisten mit unüberwindbaren Hindernissen konfrontiert.

Dabei ist die Arbeitsfähigkeit von Menschen mit Autismus bei passenden Rahmenbedingungen kaum bis überhaupt nicht beeinträchtigt – und Unternehmen profitieren von den Stärken neurodiverser Menschen.

Die Stärken neurodiverser Menschen

Menschen aus dem Autimus-Spektrum haben oft ausgeprägte Stärken in spezifischen Bereichen.

Wie bei jedem Menschen, können sie sich deutlich voneinander unterscheiden. Einige Eigenschaften lassen sich jedoch in ausgeprägter Form besonders häufig bei autistischen Menschen finden.

Auf ihnen basieren auch oft die Stereotype, die in der Gesellschaft über Autisten kursieren und die dir vielleicht bekannt vorkommen:

  • genaue und detaillierte Arbeitsweise, teilweise an der Grenze zum Perfektionismus
  • überaus systematisches Vorgehen, logische Analyse
  • ausgeprägte Muster- und Fehlererkennung
  • überdurchschnittlich hohe Konzentration
  • (extreme) Offenheit und Ehrlichkeit
  • hohes Verantwortungsbewusstsein und dadurch Zuverlässigkeit/Loyalität
  • ausgeprägtes Bilderdenken und/oder Sprachbegabung, assoziatives Denken
  • Originalität und kreative Lösungen
  • hohe fachliche Kompetenz und Spezialinteressen

Gut zu wissen: Oft wird mit Autismus eine extreme Ausprägung in einem sehr spezifischen Bereich verbunden – eine sogenannte Inselbegabung, die einen Autisten beispielsweise als Genie in Mathematik auszeichnen. So ist es nicht. Inselbegabungen sind auch innerhalb des autistischen Spektrums eher die Ausnahme. Aber es gibt Tendenzen: Gewisse kognitive Fähigkeiten sind bei vielen Autisten stärker ausgeprägt.

Richtig eingesetzt, kannst du von diesen Stärken profitieren. Auticon machts vor: Das Unternehmen ist in der IT-Beratung tätig und beschäftigt ausschließlich Menschen aus dem Autismus-Spektrum als Consultants. Ihre Stärken werden dabei vor allem in den Bereichen Quality Asurance & Testing und Analytics eingesetzt.

Schon mit relativ einfachen Möglichkeiten, kannst du für eine angenehme Arbeitsatmosphäre sorgen, in der sich das gesamte Team wohl fühlt.

Mögliche Konflikte

Trotz der vielen Stärken, stellt Autismus und die damit einhergehenden Unterschiede in Denken, Wahrnehmen und Handeln ein gewisses Konfliktpotenzial dar. Meist darin begründet, dass nicht-autistische Menschen sich nur schwer vorstellen können, wie sich Autismus auf das eigene Empfinden auswirkt.

Um Unternehmen ein besseres Bild davon zu vermitteln, hat Rehadat Ende 2018 in der Studie "Mit Autismus im Job" 205 Autisten zu ihrer Arbeitssituation befragt. Auch wenn die Studie aufgrund der Teilnehmerzahl nicht repräsentativ für alle autistischen Arbeitnehmer ist, zeichnet sie ein Bild der Herausforderungen und Erfolgsfaktoren der Integration ins Unternehmen.

Dabei sehen Autisten vor allem diese Herausforderungen:

  • Sozialkontakt, beispielsweise Smalltalk und Pausen (72%)
  • Umweltreize wie Geräusche und Gerüche (68%)
  • Flexibilität (63%)
  • Schwierigkeiten mit Multitasking (62%)
  • Einschränkung bei Teilnahme an Betriebsfeiern und Ausflügen (53%)
  • Teamarbeit mit Kollegen (51%)
  • Schwierigkeiten bei Priorisierung von Aufgaben (46%)

Die Unterschiede in der Wahrnehmung führen dazu, dass Autisten in ungünstigen Umgebungen viel Stress erfahren – und diese meiden oder Copingstrategien entwickeln. Diese Besonderheiten werden oft von Außenstehenden aber auch von Autisten selbst voreilig als Schwächen klassifiziert – mit der Folge, dass ihre Potenziale in Wirtschaft und Gesellschaft ungenutzt bleiben.

Gerade die Besonderheiten in Kommunikation und sozialer Interaktion fallen auf, die den Gesprächspartner irritieren können:

Fehlender Blickkontakt oder das Rumspielen mit Fingern kann gerade bei ernsten Themen als mangelndes Interesse interpretiert werden – obwohl sich die Person gerade so deutlich besser auf das Gesagte konzentrieren kann.

Zudem zeichnen sich viele Autisten durch eine gnadenlose Ehrlichkeit aus. Kleinere Notlügen oder Lügen der Höflichkeit halber gibt es selten – was andere Kollegen auch schon mal verärgern kann. Im besten Fall verstehen Autisten Wortwitze und Doppeldeutigkeiten nur nicht, womöglich nehmen sie sie aber auch wörtlich.

Dabei wünschen sich die meisten Unternehmen eine direkte und offene Kommunikation. Mittel- bis langfristig führt das meistens zu mehr Effizienz und einem besseren Arbeitsklima – auch wenn sich anfangs deine Mitarbeiter umgewöhnen müssen.

Die Flexibilität von Autisten ist gegebenenfalls eingeschränkt, da sie viel Wert auf Ordnung und Struktur legen. Schon kleinere Abweichungen von der Routine können ihren gesamten Tagesablauf stören, beispielsweise wenn die Bahn ausfällt oder ihr Bürostuhl getauscht wurde.

Hast du vor, eine oder mehrere Personen aus dem autistischen Spektrum zu beschäftigen, solltest du dich mit den Besonderheiten auseinandersetzen und deine Mitarbeiter für diese sensibilisieren.

Wie kann die Umsetzung im Unternehmen aussehen?

Ob nun schon der Arbeitsvertrag unterschrieben ist oder es nur darum geht, worauf im Fall des Falles geachtet werden muss, ist es gut, wenn sich Unternehmen früh damit auseinandersetzen.

Vielleicht stellst du dir jetzt die Frage: Wenn Neurodiversität eine natürliche Erscheinung ist, wieso sollte ein Unternehmen dann besondere Rahmenbedingungen schaffen, um autistische Menschen zu beschäftigen?

Wie gesagt: Menschen aus dem autistischen Spektrum sind verschieden und alle haben ihre individuellen Bedürfnisse – so wie deine Mitarbeiter. Und bei ihnen bist du wahrscheinlich auch bemüht, ihren Arbeitsplatz möglichst optimal zu gestalten. Zum Beispiel durch einen Betriebskindergarten, eine Mensa oder eine Monatskarte für den ÖPNV.

Hast du also schon konkrete Pläne, jemanden einzustellen, sprich mit der Person. Sie kann dir am besten sagen, unter welchen Bedingungen sie arbeiten kann und unter welchen nicht.

Damit hat sich auch die Studie beschäftigt und Autisten befragt, welche Art der Unterstützung sie sich von ihrem Arbeitgeber wünschen. Entsprechend der Häufigkeit ihrer Nennung wurden diese Aspekte genannt:

  • Aufklärung von Führungskräften und Team, als Ergebnis Rücksicht und Verständnis
  • Unterstützung durch Job-Coaching
  • Homeoffice
  • Einzelbüro
  • flexible Arbeitszeiten / Teilzeitarbeit gemäß dem eigenen Rhythmus
  • Reizreduzierung und ein Rückzugsort
  • Befreiung von sozialen Veranstaltungen (Betriebsfeiern und -ausflüge, gemeinsame Mittagspausen)

Interessierst du dich erstmal für allgemeine Rahmenbedingungen, kannst du dich an diesen Basics orientieren:

Organisation und Umgebung

Strukturen helfen: Autisten können besonders gut arbeiten, wenn sie sich an festen Strukturen und Prozessen orientieren und auf konkrete Ziele hinarbeiten können. Dazu gehört auch, dass Sinn und Zweck von Regeln erklärt wird.

Möglichst reizarme Umgebung: Mitarbeiter sollten an ihrem Arbeitsplatz immer möglichst wenig Ablenkung erfahren. Autisten nehmen manche Eindrücke jedoch deutlich intensiver wahr, beispielsweise das Flimmern einer Neonröhre oder das Brummen des Kühlschranks drei Räume weiter.

Ruheraum für Pausen: Ein besonders reizarmer Raum eignet sich hervorragend, um abzuschalten. Gedimmtes Licht, schallgedämmte Wände und eine möglichst kontrastlose Einrichtung machen es Autisten leichter, zur Ruhe zu kommen.

Veränderungen früh kommunizieren: Autisten legen Wert auf Routine. Abweichungen wirken unter Umständen sehr störend. Lässt sich etwas nicht vermeiden, beispielsweise die Versetzung in ein anderes Projekt oder ein Büroumzug, sollte das so früh wie möglich kommuniziert werden.

Ansprechpartner im Betrieb: Beständigkeit gibt Autisten ein sicheres Gefühl. Haben sie einen festen Ansprechpartner im Unternehmen, können sie sich jederzeit an ihn wenden.Gelegentlich handelt es sich dabei auch um eine Art Job-Coach, der beispielsweise bei der Kommunikation mit Kunden unterstützend zur Seite steht.

Kommunikation

Exakte Kommunikation: Doppeldeutigkeiten, Sarkasmus und Ironie sollten vermieden werden, da dies schnell wörtlich genommen werden kann. Daher immer so klar und präzise kommunizieren wie möglich, vor allem was die gegenseitigen Erwartungen angeht.

Ehrlichkeit: Autisten sind oft extrem ehrlich. Darauf sollte sich dein Team vorbereiten, damit Aussagen richtig eingeordnet werden können und es nicht zu Missverständnissen kommt.

Integration: Autisten sind sozialem Kontakt nicht grundsätzlich abgeneigt, wissen aber gelegentlich nicht, wie sie ihn herstellen können. Daher solltest du aktiv auf Kollegen aus dem autistischen Spektrum zugehen, aber natürlich auch respektieren, wenn es ihnen gerade zu viel ist.

Gestik und Mimik: Autisten können sich bei Gesprächen oft besser konzentrieren, wenn sie umherschauen und/oder sich mit ihren Händen beschäftigen. Beim Gegenüber kann das gerade bei ernsten Themen desinteressiert oder unhöflich wirken, ist aber keinesfalls so gemeint.

Unangemessenes Verhalten: Verhält sich die Person aus dem Autismus-Spektrum ungewohnt oder intolerabel, sollte dies mit dem Betroffenen besprochen werden.

Theoretisch weißt du jetzt, worauf du achten kannst – aber irgendwie hilft dir das nicht weiter?

Das ist okay, zwischen Theorie und Praxis liegen manchmal Welten. Und hier geht es um Menschen, was die Sache nochmal komplizierter und unberechenbarer macht.

Das soll dich aber nicht hindern. Der Staat und auch einige Unternehmen unterstützen Arbeitgeber bei der Integration autistischer Menschen. Im nächsten Abschnitt stellen wir dir einige der Möglichkeiten vor.

Externe Unterstützung für Unternehmen

Als Arbeitgeber hast du unterschiedliche Möglichkeiten, dir externe Unterstützung zu holen. Gerade für den Anfang ist das sehr hilfreich, um die Rahmenbedingungen zu schaffen und Mitarbeiter aus dem autistischen Spektrum zu integrieren.

Mentoring

Zum Onboarding gehört oft, dass neue Mitarbeiter in ihrer Anfangszeit von erfahreneren Mitarbeitern begleitet werden (oft als Buddy oder Pate bekannt). Das bietet sich auch bei Autisten an.

Vorteilhaft ist es, wenn der Buddy/Pate schon länger im Unternehmen dabei ist und über die nötige Sozialkompetenz verfügt. Spezielle Kenntnisse sind nicht zwingend nötig, es bietet sich aber an, dass sie von Job-Coaches geschult werden, um so dann später auch selbst als Multiplikatoren für andere Mitarbeiter zu dienen.

Das Integrationsamt unterstützt Unternehmen bei der Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung. Das kannst du beantragen, wenn der personelle oder finanzielle Aufwand zu groß wird – zum Beispiel wenn neue Mitarbeiter über einen sehr langen Zeitraum oder permanent von Kolleg*innen angeleitet werden müssen.

Job-Coaching

Job-Coaches sind meist externe Fachkräfte, die Unternehmen und Mitarbeiter in ihrem Arbeitsalltag und auf dem Weg dorthin begleiten. Das heißt, sie unterstützen dich bei der Rekrutierung von Autisten und Autisten bei der Jobsuche sowie bei der Integration in das Unternehmen.

Das Coaching ist zumeist zeitlich begrenzt und direkt in den Arbeitsalltag integriert. Dadurch ist das Coaching sehr praxisnah: Job-Coaches unterstützen dabei, Prozesse einzuüben und zu strukturieren sowie die Kommunikation im Team zu gestalten.

Das Programm wird basierend auf Zielen strukturiert, die gemeinsam mit Arbeitgeber und Mitarbeiter festgelegt werden. Um diese zu erreichen, schaut ihr gemeinsam, welche Anforderungen der Job stellt, welche Fähigkeiten der Mitarbeiter mitbringt und wo Unterstützung nötig ist. So können individuelle Maßnahmen geplant werden.

Der Vorteil von Job-Coaches ist, dass sie sich dem Bedarf relativ flexibel anpassen können. In der Anfangsphase unterstützen sie oft intensiver, mit der Zeit kann die Unterstützung reduziert werden – bis sie eben gar nicht mehr nötig ist.

Wer kommt für die Kosten auf?

Für gewöhnlich beantragen Autisten selbst das Job-Coaching. Da die einzelnen Länder das individuell regeln, wird die Leistung von verschiedenen Institutionen getragen. Meist handelt es sich um das jeweilige Integrationsamt oder die Agentur für Arbeit. Oft wissen Autisten über diese Möglichkeit gar nicht Bescheid, daher kannst du das initiativ anregen. Mehr Informationen findest du bei den Integrationsfachdiensten.

Sozialtraining

Da Autisten es als schwieriger empfinden, soziale Interaktionen zu interpretieren und daran teilzunehmen, kann die Arbeit im Team beeinträchtigt sein, es erschwert aber auch die gesamte Integration ins Team.

Diese Fähigkeiten können erlernt werden. Dazu gibt es Sozialtrainings, in denen vor allem Kommunikation trainiert wird, um die Teamarbeit und das Netzwerken einfacher zu machen. Anbieter solcher Kurse sind beispielsweise Auio und Diversicon. Sie richten vor allem an Arbeitnehmer, aber es sind auch Workshops für das gesamte Team dabei.

Diese Kurse werden als Integrationsmaßnahmen oft auch von der Bundesagentur für Arbeit, von Jobcenter und von derRentenversicherungen gefördert.

Auf autismus.de findest du weitere Informationen zu Autismus und Arbeit und auch einige Broschüren, die die wichtigsten Rahmenbedingungen zusammenfassen.

Veröffentlicht am 27. September 2019, zuletzt aktualisiert am 06. December 2019

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