­
Corona & Kurzarbeit: Voraussetzungen, Antrag und Muster - Campusjäger

Zurück zum HR-Blog

Corona & Kurzarbeit: Voraussetzungen, Antrag und Muster

Alles, was du zu den Themen Kurzarbeit und Corona wissen musst

Die Ausbreitung des Corona-Virus beeinträchtigt auch die globale Wirtschaft. Die behördlichen Anordnungen zwingen viele Betriebe, vorübergehend zu schließen oder die Öffnungszeiten zu reduzieren.

Kurzarbeit bietet eine Möglichkeit, um Kündigungen zu vermeiden und Liquidität beizubehalten.

Die Bundesregierung will nun einige neue Regelungen beschließen, die kurzfristig eingeführt werden. Alles Wesentliche findest du hier.

Inhalt

Änderungen durch Corona-Ausbreitung

Die Ausbreitung des Corona-Virus, hat die Bundesregierung dazu veranlasst, besondere Maßnahmen zu ergreifen. Damit soll vor allem das Verfahren für Kurzarbeit vereinfacht werden, die Voraussetzungen gelockert und zusätzliche Leistungen übernommen werden.

Diese Änderungen sind teilweise rückwirkend ab dem 01. März 2020 gültig und vorerst auf den 31. Dezember 2020 befristet.

Die wesentlichen Änderungen im Überblick:

  • Es müssen mindestens 10 % der Mitarbeiter betroffen sein und einen Arbeitsentgeltausfall von mindestens 10 % haben. Zuvor mussten mindestens 33 % der Mitarbeiter betroffen sein.
  • Die Bundesagentur für Arbeit erstattet vollständig die Sozialversicherungsbeiträge. Bisher wurden diese zu 80 % vom Arbeitgeber getragen.
  • Zukünftig sollen auch Leiharbeitnehmer unter das Kurzarbeitergeld fallen.
  • Überstunden und Arbeitszeitkonten müssen aktuell nicht mehr auf Null oder sogar ins Minus gefahren werden. 
In der aktuellen Situation müssen wir alle zusammenhalten. Daher haben wir das Projekt krisenhilfe.eu gestartet. Dort wollen wir Helfer mit Hilfesuchenden zusammenbringen: von der freiwilligen Einkaufshilfe über Ehrenämter und Erntehelfer bis hin zur festangestellten Fachkraft.

Was ist Kurzarbeit?

Gerät ein Unternehmen in wirtschaftliche Bedrängnis, beispielsweise weil Aufträge oder Kunden ausbleiben, kann es bei der zuständigen Agentur für Arbeit einen Antrag auf Kurzarbeit stellen.  

Ziel der Kurzarbeit ist es, zu vermeiden, dass Mitarbeitern gekündigt werden muss. So behalten Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz und Unternehmen behalten fähige Mitarbeiter. Das soll erreicht werden, indem Arbeitnehmer in einem vorübergehenden Zeitraum weniger oder überhaupt nicht ("Kurzarbeit null") arbeiten. Durch die Reduktion der Arbeitszeit kann das Unternehmen Personalkosten einsparen und die Liquidität aufrechterhalten. 

Ein Teil der Differenz wird durch das Kurzarbeitergeld (KUG) ausgeglichen, sodass die finanziellen Einbußen für Arbeitnehmer begrenzt werden. Das Kurzarbeitergeld ist eine Leistung der Arbeitslosenversicherung und wird von der Bundesagentur für Arbeit übernommen. Es beträgt etwa 60–67 Prozent des pauschalierten Nettogehalts. 

Ob ein Unternehmen Kurzarbeit einführen darf, ist von einigen Voraussetzungen abhängig. 

Kurzarbeit Voraussetzungen

Ein Unternehmen kann nicht einfach Kurzarbeit beantragen, sobald es mal schlecht läuft. Dies ist an Voraussetzungen geknüpft, die alle erfüllt sein müssen:

  • erheblicher Arbeitsausfall mit Entgeltausfall
  • betriebliche Voraussetzungen
  • persönliche Voraussetzungen
  • Anzeige bei Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit stellt zum Thema Kurzarbeit zwei informative Erklärvideos bereit:

 

Arbeitsausfall mit Entgeltausfall

Es müssen Arbeitsausfälle vorliegen – rein finanzielle Verluste können nicht über Kurzarbeit gefördert werden.

Die Ursache für den Arbeitsausfall muss in wirtschaftlichen Gründen oder einem unabwendbaren Ereignis liegen.

Typische wirtschaftliche Gründe liegen vor, wenn Folgeaufträge ausbleiben, sich Auftragsbeginne verschieben oder es an Rohstoffen mangelt.

Unabwendbare Ereignisse beziehen sich beispielsweise auf Brände, Unwetterschäden (wie Hochwasser) oder – wie im Falle der Corona-Ausbreitung – behördlich angeordnete Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem Schließung von Betrieben, Ausgangssperre und Stromsperren.

Zudem muss der resultierende Arbeitsausfall

  • unvermeidbar sein: Ihr habt alles versucht, um die Mitarbeiter gegebenenfalls auch anders zu beschäftigen (Urlaub gewähren, Überstunden abbauen, in anderen Abteilungen einsetzen ...).
  • vorübergehend sein: Es ist relativ wahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit wieder Vollarbeit möglich wird.
  • Mindesterfordernisse erfüllen: Mindestens ein Drittel der Beschäftigten von jeweils mehr als 10 % Bruttolohnausfall betroffen sind. (Geringverdiener werden bei der Gesamtzahl der Beschäftigen mitgezählt, auch wenn sie selbst keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben; Azubis werden nicht mitgezählt)

Was heißt "vermeidbar"? Als vermeidbar gelten branchen- und betriebsübliche sowie betrieborganisatorische (bspw. Umbaumaßnahmen) Ursachen. Auch saisonbedingte Arbeitsausfälle gelten als vermeidbar, allerdings besteht hier gegebenenfalls die Möglichkeit, Saison-Kurzarbeit zu beantragen.

Resturlaub aus dem Vorjahr sollte nach Möglichkeit vor Beginn der Kurzarbeit aufgebraucht werden. Urlaub aus dem laufenden Jahr kann nicht gegen die Wünsche der Arbeitnehmer eingesetzt werden, um Kurzarbeit zu vermeiden. Allerdings sollten die Mitarbeiter vor Anzeige der Kurzarbeit aufgefordert werden, ihren Jahresurlaub zu verplanen. So erwarten dich keine Überraschungen, wenn nach der Kurzarbeit plötzlich alle Urlaub beantragen.

Betriebliche Voraussetzungen

Damit ein Unternehmen Kurzarbeit beantragen kann, muss mindestens eine Person beschäftigt sein, die sozialversicherungspflichtig ist.

Kurzarbeit muss allerdings nicht automatisch für das ganze Unternehmen angezeigt werden. Gegebenenfalls kann auch nur für eine Betriebsabteilung Kurzarbeitergeld gewährt werden, beispielsweise für die Produktion.

Persönliche Voraussetzungen

Diese Voraussetzungen beziehen sich auf die Mitarbeiter selbst.

Kurzarbeitergeld kann nur für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer ausgezahlt werden, die in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, nicht gekündigt sind und deren Arbeitsverhältnis nicht durch einen Aufhebungsvertrag beendet ist oder wird.

Keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben daher:

  • geringfügig Beschäftigte (Minijobber)
  • Praktikanten und Aushilfen auf 450 €-Basis
  • Werkstudenten (da sie aufgrund des Werkstudentenprivilegs von der Arbeitslosenversicherung befreit sind)
  • sozialversicherungsfreie Geschäftsführer
  • Bezieher von Krankengeld
  • Heimarbeiter
  • Azubis sind explizit vom Kurzarbeitergeld ausgenommen

Das bedeutet, dass diese Mitarbeiter Anspruch auf ihr reguläres Gehalt behalten. Gegebenenfalls müssen hier individuelle Änderungsverträge geschlossen werden, um die Arbeitszeiten zu verkürzen oder das Arbeitsverhältnis zu pausieren.

Anzeige bei der Bundesagentur für Arbeit

Die Kurzarbeit muss schriftlich per Formular bei der zuständigen Agentur für Arbeit angezeigt werden. Alternativ kann sie auch per Online-Antrag über den eService der Arbeitsagentur angezeigt werden.

Für die Anzeige bei der Bundesagentur für Arbeit müssen Fristen eingehalten werden: Der Antrag muss spätesten am letzten Tag des Monats eingehen, in dem die Kurzarbeit eingetreten ist. Fristversäumnisse gehen zu Lasten des Unternehmens, auch wenn sich der Postweg verzögert hat. Daher empfehlen wir den eService der Arbeitsagentur. Das Portal findest du hier.

Verfahren: Kurzarbeit anmelden und Kurzarbeitergeld beantragen

Der Prozess, um Kurzarbeit anzufordern, ist in vier Schritte unterteilt:

  1. Betroffene Arbeitnehmer informieren und Einverständnis einholen
  2. Anzeige der Kurzarbeit
  3. Berechnung des Kurzarbeitergeldes
  4. Antrag auf Kurzarbeitergeld

Betroffene Mitarbeiter informieren und Einverständnis einholen

Als Arbeitgeber kannst du Kurzarbeit nich einfach anordnen. Es ist immer das Einverständnis der betroffenen Mitarbeiter erforderlich. Daher muss die Entscheidung, Kurzarbeit in Anspruch zu nehmen, den betroffenen Mitarbeitern zunächst mitgeteilt werden.

Gibt es einen Betriebsrat, muss dieser einbezogen werden und der Kurzarbeit zustimmen, da es sich um einen Eingriff in die betriebsüblichen Arbeitszeiten handelt. Hierbei kann eine entsprechende Betriebsvereinbarung geschlossen werden.

Gibt es keinen Betriebsrat, müssen alle betroffenen Mitarbeiter eine entsprechende Einverständniserklärung unterschreiben. 

Auch das Corona-Virus ändert nichts daran, dass der Betriebsrat beziehungsweise die betroffenen Mitarbeiter zustimmen müssen.

Hier findest du ein Muster für eine Einverständniserklärung.

Arbeitszeiterfassung mit Excel

Mit Abschicken willigst du ein, dass Campusjäger dir den regelmäßigen Newsletter mit Informationen zu den Themen HR, Recruiting und Employer Branding sowie dem Unternehmen und Leistungen per E-Mail zuschicken darf. Nach erfolgreicher Anmeldung erhältst du als Gegenleistung das Muster für die Einverständniserklärung Kurzarbeit. Deine Einwilligung kannst du jederzeit widerrufen. Beachte auch unsere Datenschutzhinweise.

Zudem müssen gegebenenfalls Vorgaben durch Tarifverträge beachtet werden, die häufig Ankündigungsfristen (meist 15 Tage) und Mindestentgelte umfassen.

Im Idealfall ist im Arbeitsvertrag bereits eine Klausel enthalten, die die Möglichkeit der Kurzarbeit einräumt. Auch entsprechende tarifliche Regelungen können gegebenenfalls bereits ausreichen.

Kurzarbeit anzeigen

Sind alle betroffenen Mitarbeiter informiert, kann die Anzeige der Kurzarbeit bei der zuständigen Agentur für Arbeit gestellt werden. Die Anzeige muss den Beginn der Kurzarbeit sowie Angaben zu dem Betrieb / den Abteilung(en) beinhalten und die Gründe für die Kurzarbeit glaubhaft machen.

Die Agentur für Arbeit prüft die Gründe und Voraussetzungen und entschiedet, ob die Kurzarbeit bewilligt wird oder nicht.

Die Anzeige kann schriftlich bei der zuständigen Agentur für Arbeit gestellt werden. Die Formulare findest du online auf der Webseite der Arbeitsagentur. Über das eService-Portal kann dies auch online beantragt werden.

Das Arbeitsamt Nürnberg gibt den Hinweis, bei Punkt 9 (Gründe des Arbeitsausfalls) kurze und aussagekräftige Angaben zu machen und nach Möglichkeit einen Umsatzvergleich mitzuschicken (aktueller Stand und Vergleichsmonat(e) 2019).

Natürlich braucht der Prozess ein wenig Zeit. Die Angaben in der Anzeige sind nicht final – letztlich ist die Bemessungsgrundlage der Leistungsantrag bei der Agentur für Arbeit. Ändert sich in der Zwischenzeit die wirtschaftliche Lage – egal in welche Richtung – kann hier die aktuelle Situation zugrunde gelegt werden.

Berechnung Kurzarbeitergeld

Im nächsten Schritt wird die Höhe des Kurzarbeitergeldes berechnet. Dafür gibt es spezielle Programme, aber auch Steuerberater können hier behilflich sein. Diese übernehmen im Rahmen der Erstellung der Lohn- und Gehaltsabrechnung für gewöhnlich auch die Abrechnung und Meldung von Kurzarbeitergeld.

Arbeitgeber bezahlen ihre Mitarbeiter nun für die real geleistete Arbeitszeit und strecken zuzüglich das errechnete Kurzarbeitergeld vor, das von der Arbeitsagentur nachfolgend erstattet wird.

Leistungsantrag auf Kurzarbeitergeld stellen

Die Erstattung des gezahlten Kurzarbeitergeldes wird dann bei der Agentur für Arbeit beantragt. Dies geschieht nachträglich für jeden Monat. Der Antrag dafür muss spätestens 3 Monate nach Ablauf des jeweiligen Leistungsmonat gestellt werden. Laut Angaben der Arbeitsagentur wird die Leistung in der Regel innerhalb von 15 Arbeitstagen nach Antragstellung an die Arbeitgeber ausgezahlt.

Neue rechtliche Regelungen sollen das Verfahren vereinfachen. Dennoch sollte davon ausgegangen werden, dass die Bearbeitung aufgrund der aktuellen Situation einige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen kann.

Sobald der Betrieb wieder zur Vollarbeit wechselt, werden die Abrechnungen nochmal geprüft. In der Abschlussprüfung werden die Auszahlungen gegebenenfalls korrigiert.

 

Höhe des Kurzarbeitergeldes

Die Höhe der Kurzarbeitergeldes ist letztlich davon abhängig, wie sehr die Arbeitszeit reduziert wird. Die Agentur für Arbeit übernimmt etwa 60–67 % der Differenz zwischen dem reduzierten Nettogehalt und dem regulären, pauschalierten Nettogehalt. Die Agentur für Arbeit stellt eine Liste über pauschalisierte Nettoentgelte bereit.

Der Prozentsatz ist vor allem von den Familienverhältnissen des Arbeitnehmers abhängig. Mitarbeiter ohne Kinder bekommen 60 %, Mitarbeiter mit mindestens einem Kind bekommen 67 %.

Beispiel – Kurzabeitergeld berechnen: Arbeitnehmer mit Kind (67 %).

Reguläres monatliches Bruttogehalt: 4.000 € (Netto: ~ 2.486 €)

Reduziertes monatliches Bruttogehalt: 2.000 € (Netto: ~ 1.417 €)

Nettodifferenz: 1.069 €

Kurzarbeitergeld: 716 € (= 1.069 € x 0,67)

Nettogehalt inkl. Kurzarbeitergeld: 1.417 € + 716 € = 2.132 €

Damit ersetzt das Kurzarbeitergeld nicht 100 % des Gehalts. Arbeitgeber haben hier die Möglichkeit, das Kurzarbeitergeld aufzustocken. Vor allem in Industriebranchen ist dies durch Tarifverträge bereits festgelegt. So kann das Nettogehalt auf bis zu 100 % aufgestockt werden. Diese Zuschüsse sind für Arbeitnehmer jedoch steuerpflichtig.

Um dir einen Überblick über die Höhe des Kurzarbeitergeldes zu verschaffen, kannst du auf Online-Rechner zurückgreifen.

Das Kurzarbeitergeld kompensiert dabei nur den tatsächlichen Verdienst, nicht die Sozialversicherungsbeiträge. Diese werden auf 80 % reduziert und Arbeitgeber übernehmen sowohl den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmeranteil für die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Beiträge für die Arbeitslosenversicherung entfallen.

Für das reduzierte Arbeitsentgelt bleibt es grundsätzlich bei der Aufteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu je 50%.

Dauer der Förderung

Kurzarbeit wird für einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten gewährt. Gesetzlich auf 12 Monate begrenzt. Die Bundesregierung kann per Rechtsverordnung die Dauer auf bis zu 24 Monate ausweiten.

In diesem Zeitraum kann jederzeit wieder Vollarbeit aufgenommen werden. Ist das der Fall, kann der Anspruch entsprechend an den gewährten Zeitraum drangehängt werden, sollte sich die wirtschaftliche Lage erneut verschlechtern.

Wird die Kurzarbeit für 3 aufeinanderfolgende Monate unterbrochen, ist zwingend eine neue Anzeige notwendig und sollte möglichst zeitnah gestellt werden.

Neue Mitarbeiter während Kurzarbeit einstellen – geht das?

Kurzarbeit wird eingeführt, weil Arbeitsaufträge ausbleiben. In dieser Phase neue Mitarbeiter einzustellen, scheint erstmal widersinnig. Unter Umständen ist es jedoch möglich und sinnvoll.

Gründe für die Einstellung neuer Mitarbeiter:

  • Es wird dringend Fachpersonal benötigt, das nicht aus der bestehenden Belegschaft rekrutiert werden kann.
  • Gilt die Kurzarbeit nur für spezifische Abteilungen, können in den anderen Abteilungen regulär Mitarbeiter eingestellt werden.
  • Kündigen Mitarbeiter während der Kurzarbeit, können die Positionen neu besetzt werden.
  • Es wurde ein Arbeitsvertrag geschlossen, bevor die Kurzarbeit absehbar war. 
  • Übernahme von Auszubildenden

Alternativen zu Kurzarbeit

Kurzarbeit ist mit die fairste Möglichkeiten, damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer diese Phase gut überstehen. Leider gibt es auch Fälle, in denen Kurzarbeitergeld nicht gewährt wird oder nicht ausreicht. Für diese Fälle möchten wir der Vollständigkeit halber auch mögliche Alternativen vorstellen:

  • Aufhebungsvertrag: Das Arbeitsverhältnis wird in gegenseitigem Einvernehmen beendet. Auf diese Weise müssen keine Kündigungsfristen beachtet werden. In einer Zusatzvereinbarung kann beschlossen werden, dass das Arbeitsverhältnis fortgesetzt wird, sobald sich das Unternehmen von der Krise erholt hat. Diese Lösung ist für Arbeitnehmer nicht die sinnvollste, da sie durch ihre Zustimmung drei Monate für Arbeitslosengeld gesperrt werden. Außerdem muss bestehender Urlaubsanspruch abgegolten werden. Hier findest du mehr Infos zum Aufhebungsvertrag.
  • Betriebsurlaub: Muss einvernehmlich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern geschlossen werden. Auf diese Weise können auftragsschwache Phasen kompensiert werden, um in auftragsstarken Zeiten mit voller Arbeitskraft anpacken zu können.
  • Unbezahlter Urlaub: Wenn Arbeitnehmer damit einverstanden sind, können sie in unbezahlten Urlaub geschickt werden. Das Arbeitsverhältnis bleibt dabei bestehen. Finanziell ist diese Variante für Arbeitnehmer jedoch sehr nachteilig: Sie erhalten kein Gehalt und müssen – bei einer Dauer einem Monat – sowohl Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberbeiträge für die Sozialversicherungen entrichten. Dauert der Urlaub länger als ein Monat, müssen sie sich gegebenenfalls freiwillig versichern.
  • Arbeitszeitreduktion/Teilzeitarbeit: In Absprache mit allen oder einzelnen Arbeitnehmern kann die Arbeitszeit und entsprechend das Gehalt reduziert werden. 
  • Kündigung: Eine weitere Möglichkeit ist natürlich die Kündigung. Hier musst du beachten, dass wichtige Gründe vorliegen müssen. In der aktuellen Situation sind diese vermutlich betriebsbedingt. Außerdem müssen Kündigungsfristen beachtet werden. Je nachdem wie lang diese sind, ist die Frage, ob die Krise bis dahin nicht schon vorbei ist. Hier findest du mehr Infos zur Kündigung

Die Kündigung während Kurzarbeit durch den Arbeitgeber gestaltet sich zudem schwieriger. Eine betriebsbedingte Kündigung ist nicht möglich, wenn sie auf denselben Gründen beruht, die auch zur Kurzarbeit geführt haben. Denn dies bedeutet, dass die Arbeitsmenge wieder zunehmen wird und eben nicht dauerhaft entfällt, wie bei einer betriebsbedingten Kündigung vorausgesetzt. Ergeben sich jedoch weitere Gründe, die einen Wegfall der Stelle zur Folge haben, kann eine betriebsbedingte Kündigung gerechtfertigt sein. Eine Kündigung aufgrund verhaltens- oder personenbedingter Gründe ist auch während der Kurzarbeit grundsätzlich möglich.

Kurzarbeit: Formulare und wichtige Infos

Hier findest du alle relevanten Formulare, um Kurzarbeit anzuzeigen und Kurzarbeitergeld zu beantragen:

FAQ Kurzarbeit – Die häufigsten Fragen auf einen Blick

Wie funktioniert Kurzarbeit?

Kurzarbeit ist eine Möglichkeit, die Arbeitszeit der Mitarbeiter zu reduzieren, um Personalkosten einzusparen und dadurch Kündigungen zu vermeiden und die Liquidität des Unternehmens aufrechtzuerhalten. 

Ein Teil des Nettogehalts wird im Rahmen der Arbeitslosenversicherung durch die Agentur für Arbeit übernommen. Hier findest du mehr Informationen.

Kurzarbeit anmelden – wie geht das?

Um Kurzarbeit zu beantragen, muss zunächst das Einverständnis des Betriebsrats bzw. der betroffenen Mitarbeiter eingeholt werden. Danach kann Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit angezeigt werden und nachfolgend die Erstattung des Kurzarbeitergeldes beantragt werden. Hier findest du mehr Informationen.

Wie lange wird Kurzarbeit bewilligt?

Kurzarbeit kann für bis zu 12 Monate bewilligt werden. Die Bundesregierung kann die Dauer per Rechtsverordnung auf bis zu 24 Monate verlängern. Hier findest du mehr Informationen.

Welches Ausmaß kann der Arbeitsausfall annehmen?

Der Arbeitsausfall richtet sich nach der Auftragslage und der wirtschaftlichen Situation. Grundsätzlich sollte ein Unternehmen bemüht sein, die Kurzarbeit möglichst schnell zu beenden. Bis dahin kann der Arbeitsausfall bis zu 100 % ("Kurzarbeit null") betragen. Hier findest du mehr Informationen.

Wie viel Geld gibt es bei Kurzarbeit?

Die Agentur für Arbeit zahlt Kurzarbeitergeld in Höhe von bis zu 67 % des regulären Nettogehalts. Hier findest du mehr Informationen.

Wie wird das Kurzarbeitergeld berechnet?

Das Kurzarbeitergeld wird auf Basis der Differenz zwischen dem regulären Nettogehalt und dem reduzierten Nettogehalt berechnet und beträgt etwa 60–67 % des Nettogehalts. Hier findest du mehr Informationen.

Wer zahlt bei Kurzarbeit?

Der Arbeitgeber übernimmt für den Zeitraum, in dem Kurzarbeit bewilligt wurde, die Vergütung der geleisteten Arbeitszeit und streckt das Kurzarbeitergeld im Prinzip vor. Per Leistungsantrag kann dies von der Agentur für Arbeit erstattet werden. Hier findest du mehr Informationen.

Wie schnell kann Kurzarbeit eingeführt werden?

Sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind und Betriebsrat bzw. betroffene Mitarbeiter einverstanden sind, kann die Kurzarbeit sehr kurzfristig eingeführt und bei der zuständigen Agentur für Arbeit angezeigt werden. Durch die Ausbreitung des Corona-Virus ist dies aktuell auch rückwirkend zum 01. März 2020 möglich. Die individuelle Situation wird am besten direkt mit der Arbeitsagentur besprochen. Hier findest du mehr Informationen

Welche Firmen können Kurzarbeit beantragen?

Alle Unternehmen, die die Voraussetzungen erfüllen, können Kurzarbeit beantragen. Es gibt keine Einschränkungen bezüglich Branche oder Unternehmensgröße. Auch Vereine, Kindertagesstätten und Kulturschaffende wie Theater können im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie dem Grunde nach Kurzarbeitergeld erhalten. Hier findest du mehr Informationen.

Muss ein Unternehmen für alle Mitarbeiter Kurzarbeit einführen?

Nein, Kurarbeit kann auch nur für einzelne Abteilungen, beispielsweise die Produktion, angezeigt werden. Hier findest du mehr Informationen.

Kurzarbeit – wie oft hintereinander?

Im Grunde kann Kurzarbeit beliebig oft beantragt werden. Einzige Voraussetzung ist, dass zwischen dem letzten und dem neuen Antrag mindestens 3 Monate vergangen sein müssen. Hier findest du mehr Informationen.

Veröffentlicht am 18. March 2020, zuletzt aktualisiert am 04. April 2020

Beliebteste Artikel

Diese Artikel fanden andere besonders hilfreich:

Die perfekte Stellenanzeige schreiben – Muster und Beispiele [2020]

Stellenanzeigen sind oft der erste Kontakt zu möglichen Bewerbern. Erfahre anhand von Mustern und Beispielen, wie du eine perfekte Stellenanzeige schreibst.

Warum flexible Arbeitszeiten für Arbeitgeber interessant sind

Flexible Arbeitszeiten erfreuen nicht nur Arbeitnehmer, auch als Arbeitgeber können Sie davon profitieren. Wir zeigen Ihnen die Vor- und Nachteile!

Bewerbungsgespräch als Arbeitgeber vorbereiten

Um das meiste aus einem Bewerbungsgespräch zu holen, solltest du dich auch als Arbeitgeber darauf vorbereiten.

Bewerbungsgespräch führen – Leitfaden und Fragenkatalog [mit Download]

Willst du neue Mitarbeiter gewinnen, kommst du nicht drumrum, Bewerbungsgespräche zu führen – erfahre jetzt, worauf du achten musst.

Praktikanten einstellen: Was du als Arbeitgeber wissen musst [2020]

Praktikanten beschäftigen leicht gemacht: In diesem Guide erfährst du, was du wissen musst, wenn du Praktikanten einstellen willst. Klick dich rein.

Was ist Personalplanung? Definition, Aufgaben und Ziele [2020]

Um Veränderungen auf Augenhöhe begegnen zu können, ist eine strategische Personalplanung wichtig. Wirf am besten jetzt einen Blick in die Zukunft.

E-Mail-Adresse finden – Mit diesem Guide klappts

Du hast eine E-Mail-Adresse verlegt oder willst einer Person direkt schreiben? In diesem Guide zeigen wir dir, wie du E-Mail-Adressen herausfinden kannst.

Onboarding: Konzept zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter

Die Einarbeitung neue Mitarbeiter ist entscheidend, um sie langfristig an dein Unternehmen zu binden. Erfahre jetzt, worauf es beim Onboarding ankommt.

Der Arbeitsvertrag – Muster zum Download, Tipps und Hinweise

Erfahre alles über den Arbeitsvertrag: Wofür ist er da, wann brauchst du einen, was muss rein und was kann rein? Inklusive kostenlosem Muster als Download.

Kündigung: Das müssen Arbeitgeber beachten [Muster zum Downloaden]

Als Personalverantwortlicher ist nicht jede Entscheidung leicht – vor allem wenn du Arbeitnehmer entlassen musst. Erfahre hier, worauf du achten musst.

Personalmarketing – Definition, Instrumente und Kennzahlen

Was Personalmarketing ist und wie du interne und externe Instrumente des Personalmarketings optimal für dich nutzen kannst, erfährst du hier.

Personalvermittlung: Definition, Kosten und Vorteile

Sie spielen mit dem Gedanken eine Personalvermittlung zu engagieren? Dann erfahren Sie hier, was Sie erwarten können und was Sie beachten müssen.

Werkstudentenvertrag: Muster als Download & Infos

Wie sieht eigentlich der Arbeitsvertrag für Werkstudenten aus? Schau dir jetzt einen Mustervertrag an und lade ihn als PDF oder Word runter.

Werkstudenten finden – 5 Tipps, um die richtigen zu kriegen

Top informiert, wissbegierig und motiviert: Werkstudenten machen Unternehmen erfolgreicher. Finde den perfekten Werkstudenten, mit unseren Tipps.

Personalauswahl: So triffst du die richtige Entscheidung

Hier findest du einen Überblick über Personalauswahlverfahren und die wirksamsten Methoden und Instrumente: vom Bewerbungsgespräch bis zum Probearbeiten.

Personalrecruiting – Definition, Aufgaben, Kanäle, Auswahlverfahren

Social-Media Recruiting und Active Sourcing sind die Trends im Personalrecruiting. Erfahre jetzt, welche Methoden und Kanäle es noch gibt.